Portrait von Prof. Harm Bandholz auf dem Campus an der HAW Kiel.© M. Pilch
Mit Beginn des Wintersemesters 2026/27 ist Prof. Dr. Harm Bandholz Dekan des Fachbereichs Wirtschaft geworden.

Prof. Dr. Harm Bandholz ist neuer Dekan

von Anna Brokmann

Zunächst herzlichen Glückwunsch an Sie Professor Bandholz zur Wahl als neuer Dekan. 

Was hat Sie dazu bewegt, das Amt des Dekans zu übernehmen?

Die akademische Selbstverwaltung ist ein integraler Bestandteil der Hochschullandschaft. Dadurch, dass Hochschulen ihre internen Angelegenheiten in Forschung, Lehre und Studium eigenverantwortlich regeln, sind sie geschützt vor Eingriffen von außen. Außerdem wird so die demokratische Mitbestimmung aller Hochschulmitglieder ermöglicht. Umgekehrt bedeutet Selbstverwaltung aber auch, dass sich immer wieder Personen – Lehrende, Mitarbeiter*innen und Studierende – finden müssen, die diese Aufgaben erledigen.

Bei mir gab es nicht den einen spezifischen Auslöser, der mich dazu bewogen hat, mich zur Wahl zu stellen. Vielmehr war es ein über Wochen, vielleicht sogar Monate andauernder Prozess. In den zurückliegenden viereinhalb Jahren durfte ich als Prodekan des Fachbereichs Wirtschaft ja bereits viele Erfahrungen sammeln und Einblicke in die Leitung des Fachbereichs erhalten. Das war wirklich eine tolle und sehr lehrreiche (und ja, bisweilen auch sehr arbeitsreiche) Zeit. Als dann Ende letzten Jahres klar wurde, dass wir einen neuen Dekan brauchen, weil der amtierende Dekan, Marco Hardiman, nicht noch einmal kandidieren wollte, wollte ich erst einmal abwarten. Zunächst hatte ich nur darüber nachgedacht, bei einer passenden Konstellation als Prodekan weiterzumachen oder eben aus dem Dekanat auszuscheiden, um Platz für ein neues Team zu machen.

Zum Umdenken bewogen haben mich schließlich auch Anfragen von Lehrenden und Mitarbeiter*innen der Verwaltung, ob ich den Job nicht übernehmen wolle. Hinzu kam für mich dann der Wunsch, die, wie ich finde, positive Arbeit des Dekanats aus den vorherigen Jahren weiterzuführen. Entsprechend dankbar bin ich, dass meine Kollegin Saskia Bochert sich bereit erklärt hat, ihre Tätigkeit im Dekanat fortzusetzen und wir mit Klaas Ole Kürtz jemanden gewinnen konnten, der bereits in seinem ersten Jahr an der HAW Kiel den Fachbereich mit viel Einsatz und neuen Ideen extrem bereichert hat. So nahm alles seinen Lauf, und ich freue mich sehr über die positive Bestätigung durch das Wahlergebnis im Konvent.

 

Was reizt Sie besonders an der neuen Aufgabe?

Der Reiz besteht darin, den Gestaltungsspielraum auszunutzen, den uns die Selbstverwaltung gibt. Dabei will ich nicht verheimlichen, dass auch wir unter zunehmender Bürokratie leiden und finanzielle Engpässe verstärkt spüren. Das engt den Gestaltungsspielraum entsprechend ein. Allerdings betrifft das ja nicht nur unseren Fachbereich oder unsere Hochschule. Auch in diesem schwieriger werdenden Umfeld haben wir weiterhin die Möglichkeit, um nicht zu sagen die Pflicht, unsere Studiengänge kontinuierlich weiterzuentwickeln, unsere Ausstattungen zu verbessern und das Lehr- und Lernumfeld zu optimieren. Das ist für mich die wesentliche Herausforderung und darin steckt auch der Reiz.

 

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre Amtszeit gesetzt?

Ein wichtiges Ziel ist für mich, das Ansehen der HAW Kiel und das unseres Fachbereichs weiter zu stärken – insbesondere im Vergleich zu Universitäten, aber auch zu anderen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Als Relikt der Pre-Bologna Zeit werden HAW bzw. Fachhochschulen in vielen Bereichen immer noch schlechter behandelt als Universitäten; das betrifft die personelle Ausstattung aber auch die Reputation an vielen Gymnasien. Ich dagegen bin fest davon überzeugt, dass die anwendungsorientierte Lehre der HAW die große Mehrheit der Studierenden deutlich besser auf den Arbeitsmarkt vorbereitet als theorielastige Ansätze. Das gilt umso mehr im Zeitalter von KI. Die Tatsache, dass unsere Studiengänge entgegen dem allgemeinen Trend allesamt voll belegt sind, deutet darauf hin, dass bereits immer mehr Menschen diese Erkenntnis teilen. Aber da geht sicherlich noch mehr – und das beste Werbemittel für uns sind unsere Absolvierenden, wenn sie nach einem erfüllten Studium bestens vorbereitet in die Arbeitswelt entlassen werden. Das sollten wir stets gewährleisten.

 

Welche Themen möchten Sie im Fachbereich besonders voranbringen?

Durch die Berufserfahrung, die unsere Professoren allesamt mitbringen (müssen) ist unser Fachbereich verhältnismäßig agil. Entsprechend konnten wir in den vergangenen Jahren einige wichtige Änderungen auf den Weg bringen. So haben wir unseren größten Studiengang, den Bachelor BWL, vollständig überarbeitet und mit dem Bachelor Cybersicherheit in Kooperation mit dem Fachbereich Informatik und Elektrotechnik einen neuen Studiengang konzipiert. Zudem konnten wir einen Beirat installieren, durch den wir den Austausch mit Praxisvertretern institutionalisieren. Eine Aufgabe des neuen Dekanats wird also darin bestehen, zu schauen wie sich diese Neuerungen bewähren und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Das beherrschende Thema für die nächsten Jahre ist aber sicherlich der Umgang mit KI. Da geht es zum einen darum, welche Kompetenzen wir den Studierenden in diesem neuen Umfeld vermitteln müssen. Zum anderen ergeben sich potenziell notwendige Änderungen bei Lehr- und Prüfungsformen. Die Diskussion hat natürlich bereits begonnen und alleine bei uns am Fachbereich haben wir hierzu schon einige Workshops durchgeführt. Am Ende sind wir aber sicherlich nicht; schon deshalb, weil sich die Technologie so rasant weiterentwickelt. Zudem hat das Thema KI potenziell Auswirkungen auf die digitale Ausstattung der Hochschule sowie darauf, wie auslaufende Stellen von Professoren inhaltlich neu besetzt werden. Hier gilt es möglichst zeitnah die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen.

 

Was möchten Sie für die Studierenden erreichen?

Das Ideal, welches wir aus meiner Sicht erreichen können, ist, dass die Studierenden später mit Freude und Dankbarkeit auf ihre Zeit an der HAW Kiel zurückschauen. Freude, weil ihnen diese Zeit Spaß gemacht hat, sie viele Freundschaften schließen konnten und schöne Erlebnisse hatten. Dankbarkeit, weil sie hier bestmöglich auf ihren späteren Beruf und Karriereweg vorbereitet wurden. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Studierenden während des Studiums nicht auch mal auf die Lehrenden fluchen dürfen, weil es gerade alles zu viel, zu kompliziert oder zu anstrengend ist. Aber am Ende sollte klar sein, wofür man das alles auf sich genommen hat. Das, in Kombination mit der sozialen Komponente, ist für mich ein sehr erstrebenswertes Ziel.

 

Gibt es etwas, das Sie im Fachbereich gerne verändern oder weiterentwickeln möchten?

Ehrlich gesagt bin ich mit unserem Fachbereich insgesamt sehr zufrieden. Aber das bedeutet ja nicht, dass man sich nicht weiterentwickeln kann. Ein Punkt, der aus meiner Sicht noch ausbaufähig ist, ist die Campus-Kultur. Damit meine ich insbesondere den gegenseitigen Austausch zwischen Studierenden und Lehrenden über das Ende der eigentlichen Vorlesung hinaus. Bei der Suche nach Gründen trifft man schnell auf das Henne-Ei-Problem: ist es das mangelnde Interesse der Studierenden oder die fehlende Präsenz der Lehrenden? Die Corona-Pandemie hat sicherlich ihren Teil dazu beigetragen. Doch das sollten wir wieder ändern. Unterstützung gibt es durch unser neues Lerndock 23, durch das die Aufenthaltsqualität an der HAW Kiel bereits deutlich verbessert wurde und welches von allen Angehörigen der Hochschule dankbar und vielfältig angenommen wird.

 

Was möchten Sie von Ihrem Vorgänger übernehmen und wo eigene Schwerpunkte setzen?

Zunächst einmal möchte ich Marco Hardiman für die tolle Arbeit danken, die er in den vergangenen viereinhalb Jahren als Dekan geleistet hat. Wie aus meinen vorherigen Ausführungen hoffentlich deutlich geworden ist, steht unser Fachbereich nicht zuletzt dank seiner Leitung aktuell sehr gut da. Und das positive Feedback bezieht sich nicht nur auf die harten Zahlen, wie die Vollauslastung unserer Studiengänge, sondern auch auf die Stimmung innerhalb des Fachbereichs.

Es gibt also sehr vieles, was ich als Nachfolger von ihm übernehmen könnte. Hervorheben möchte ich die Transparenz bei Entscheidungen und die stets äußerst kooperative Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den anderen Dekanatsmitgliedern, der Verwaltung und den Lehrenden. Zudem möchte auch ich weiterhin stets ein offenes Ohr haben für das Feedback der Studierenden.

Große Änderungen sind also eigentlich nicht geplant. Auch deshalb nicht, weil mit Saskia Bochert und mir ja zwei Mitglieder des vorherigen Dekanats, die sich bereits in den vergangenen Jahren in die Fachbereichsleitung eingebracht haben, erhalten bleiben. Trotzdem wird es ganz automatisch zu gewissen Anpassungen kommen. Das liegt schon daran, dass mein Vorgänger Professor für Marketing war und ich Volkswirt bin. Spätestens zum Ende des Studiums sollten alle Studierenden verstehen, dass es hier gewisse Unterschiede gibt.

 

Was möchten Sie den Studierenden zum Start Ihrer Amtszeit mitgeben?

Nutzen Sie die Zeit sinnvoll. Sie werden für ein paar Semester von der Gesellschaft freigestellt und finanziell subventioniert, um sich bestmöglich auf Ihren Beruf, Ihren späteren Karriereweg und ein wenig auch auf Ihre kommenden Lebensabschnitte vorzubereiten.

Dazu gehört auch, dass Sie aktiv studieren und die angebotenen Inhalte nicht passiv konsumieren. Insbesondere im Zeitalter von KI werden Ihre Kompetenzen zunehmend wichtiger, während es Anzeichen dafür gibt, dass die Relevanz von bloßen Abschlusszeugnissen nachlässt. Lernen Sie also nicht für das Bestehen eines Scheines, sondern seien Sie gierig auf die Inhalte, das Wissen und die Kompetenzen, die wir Ihnen hier vermitteln. Das ist durchaus anstrengend und arbeitsintensiv, wird aber später vielfältig honoriert.

Unterschätzen Sie dabei nicht die Wichtigkeit des sozialen Austausches. Kritisches Denken, die Übernehme von Verantwortung, Urteilsvermögen oder Empathie sind einige der Kompetenzen, die durch KI deutlich an Bedeutung gewinnen werden. Um diese neben den weiterhin gefragten fachlichen Kenntnissen zu stärken, setzen wir an der HAW Kiel weiterhin auf Präsenzveranstaltungen, in denen Menschen zusammenkommen. Das hat übrigens auch den keinesfalls zu vernachlässigenden positiven Nebeneffekt, dass das Bier nach der Vorlesung in Gesellschaft meist besser schmeckt als allein.

In diesem Sinne wünsche ich ihnen viel Spaß und gutes Gelingen für Ihr Studium am Fachbereich Wirtschaft der HAW Kiel.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

© Fachhochschule Kiel