Portrait eines Mannes mit Brille auf einem Flur© M. Pilch
Prof. Dr. Marco Hardiman hat das Amt des Dekans am Fachbereich Wirtschaft abgegeben.

Vom Dekanat zurück in die Forschung

von Celina Först

Prof. Dr. Marco Hardiman ist seit dem Sommersemester 2022 Dekan am Fachbereich Wirtschaft. Damals löste er Prof. Dr. Ruth Boerckel ab, die ins Präsidium der HAW Kiel wechselte und heute Vizepräsidentin der Hochschule ist. Nun endet Prof. Dr. Hardimans Zeit als Dekan. Über seine Amtszeit und seine Beweggründe spricht er im Interview.

Herr Hardiman, wenn Sie sich zurückerinnern, wie empfanden Sie Ihre Anfangszeit als Dekan?

Das war eine sehr spannende Zeit, weil ich damals noch nicht lange im Dekanat tätig war und eigentlich nicht als der „natürliche“ Nachfolger galt. Häufig übernimmt der Prodekan für Studium und Lehre später das Amt des Dekans, da er bereits umfassende Einblicke in einen wesentlichen Teil der damit verbundenen Aufgaben gewonnen hat. Ich selbst war zuvor als Prodekan für Forschung und Internationales tätig und brachte daher einen anderen Erfahrungsschwerpunkt mit. Dazu kam die auslaufende Corona-Zeit, sodass viele Dinge, zum Beispiel Abschlussveranstaltungen, in meiner ersten Zeit im Dekanat erst gar nicht stattfanden. Insofern hatte ich bei vielen Aufgaben keine Erfahrung. Das hatte aber auch den Vorteil, dass ich mit einer gewissen Unvoreingenommenheit an die Aufgabe herangehen konnte (lacht).

Was sind Ihre größten Erfolge, auf die Sie jetzt in dieser Zeit zurückblicken können?

Als größten Erfolg sehe ich die Entwicklung, die wir als Fachbereich erreicht und gestaltet haben. Die wesentlichen Entscheidungen haben wir gemeinsam getroffen und anschließend auch gemeinsam umgesetzt. Fast alle haben sich eingebracht und mitgezogen – dieser Zusammenhalt ist etwas Besonderes und zeichnet unseren Fachbereich aus. So ist es uns als Team gelungen, den Fachbereich sehr gut aufzustellen. Ich bezeichne uns gern als „Marktführer im Norden“ – das zeigt sich unter anderem an unseren modernen Studienprogrammen und der hohen Nachfrage. Unser Bachelorstudiengang BWL ist zum Beispiel in diesem Semester trotz des fehlenden Abiturjahrgangs vielfach überbucht. Diese positive Entwicklung ist keineswegs das Verdienst eines Einzelnen, sondern das Ergebnis unserer gemeinsamen Arbeit. Man könnte auch sagen, der Fachbereich hat es mir wirklich einfach gemacht. Dafür bin ich auch dankbar.

Gab es schwierige Entscheidungen, die Sie in dieser Zeit treffen mussten?

Was mich überrascht hat, war, wie viele Entscheidungen ein Dekan treffen muss. Schwierig waren immer die Entscheidungen, die sehr viele Menschen betreffen und bei denen ich selbst kein Experte war oder Dinge nicht gut beurteilen konnte. Anfänglich während der Corona-Zeit ging es zum Beispiel immer wieder darum, ob Lehrveranstaltungen online oder in Präsenz stattfinden. Später kamen andere Situationen hinzu, etwa bei Schnee oder Streiks. Da haben wir uns einmal entschieden, für einen Tag auf Online-Lehre umzustellen. Seitdem kommen übrigens bei jeder angekündigten Schneeflocke viele E-Mails von Studierenden, die fragen, warum die Hochschule nicht wieder online geht und teilweise auch erzürnt sind, dass dies nicht bei jedem kleinen Schneefall oder Sturm so gehandhabt wird. 

Es gibt aber auch Entscheidungen, die einzelne Personen betreffen. Wenn man ein Studienprogramm weiterentwickelt und eine Lehrveranstaltung streicht, obwohl sie vielleicht seit 20 Jahren angeboten wird, sorgt das natürlich für Unmut. Das sind Entscheidungen, die nicht einfach sind und die auch nachwirken, weil ich damit anderen Personen viel Arbeit mache. Das war mir dann immer auch bewusst. 

Geholfen hat mir da immer mein Dekanat. Nahezu alle Entscheidungen haben wir im Team getroffen. Das hat sich immer bewährt. 

Woran erinnern Sie sich gerne zurück?

Ganz positiv bleiben mir mein Dekanat und unsere Verwaltung in Erinnerung. Unsere Menschen in der Verwaltung sind sensationell. Ich war in einigen Führungspositionen in der freien Wirtschaft tätig, aber so viel Unterstützung, Mitdenken und Entlastung habe ich noch nirgends erlebt. Am liebsten waren mir außerdem die Dekanatsrunden mit meinem Prodekan Harm Bandholz und meiner Prodekanin Saskia Bochert und der Geschäftsführung Christina Abraham. Die wöchentlichen Runden waren immer sehr angenehm, entspannt und auch recht lustig.

Sehr gerne denke ich auch an die Abschlussfeiern zurück, in denen wir unsere Absolvierenden verabschieden. Es ist schön zu sehen, wie sich die Studierenden entwickelt haben: von der Begrüßung im ersten Semester bis zur Zeugnisübergabe. Auch die Freude und den Stolz der Eltern wahrzunehmen war jedes Mal etwas Besonderes.

Warum legen Sie Ihr Amt als Dekan nun nieder?

Der Hauptgrund ist, dass ich an die HAW Kiel gekommen bin, weil ich mich bewusst für den Beruf des Professors entschieden habe. Dazu gehören für mich vor allem zwei Dinge: lehren und forschen. Beides konnte ich als Dekan nur noch eingeschränkt ausüben. Als Dekan war ich wieder Manager. Für die Lehre blieb deutlich weniger Zeit, als ich mir gewünscht hätte, und auch die Qualität, die ich mir selbst dafür setze, konnte ich nicht immer erreichen. Für Forschung blieb kaum Raum, stattdessen standen Führungs- und Managementaufgaben im Mittelpunkt. Die viereinhalb Jahre als Dekan haben mir sehr viel Freude bereitet. Aber Lehre und Forschung machen mir ebenfalls große Freude, und genau darauf möchte ich mich künftig wieder stärker konzentrieren.

Am 1. September wird Prof. Dr. Harm Bandholz ihr Amt als Dekan übernehmen. Haben Sie Tipps für Ihren Nachfolger?

Ich wünsche ihm ein gutes Händchen für schwierige Entscheidungen, Ausdauer und teilweise auch ein dickes Fell, an dem vieles abprallen kann. Grundsätzlich ist der Fachbereich sehr gut aufgestellt und auch strategisch weiter als viele andere Hochschulen. Das wird vermutlich auch seine größte Herausforderung sein, weiter wandelbar zu bleiben und nicht stillzustehen, obwohl es gut läuft. Entscheidend wird sein, sich immer wieder an die sich ändernden Rahmenbedingungen anzupassen.

Was sind Ihre nächsten Schritte?

Der Konvent hat mir ein Praxis- beziehungsweise Freisemester genehmigt. Im nächsten Semester habe ich deshalb keine Lehre und kann weitere Praxiserfahrung sammeln. Das werde ich im Bereich Slow Tourism tun. Geplant ist unter anderem eine Learning Tour mit Studierenden, außerdem möchte ich gemeinsam mit der Tourismusagentur Schleswig-Holstein Projekte in diesem Bereich umsetzen. Darauf freue ich mich sehr. Und ansonsten freue ich mich vor allem auf eines: weniger E-Mails. (lacht)

Vielen Dank für das Gespräch.

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