Wie können landwirtschaftliche Betriebe auch in Zukunft ihre Erträge sichern – trotz zunehmender Wetterextreme wie Trockenperioden und Starkregen? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Modell- und Demonstrationsvorhabens „Fitte Böden für den Klimawandel“, für das Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg heute (4. Mai) einen Förderbescheid in Höhe von 438.340,42 Euro überreicht hat. Das Projekt wird vom Kompetenzzentrum für klimaeffiziente Landwirtschaft gefördert und von einem Konsortium aus der HAW Kiel, der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein sowie der GWS Nord – Gewässerschutzberatung umgesetzt.
Ziel ist es, landwirtschaftliche Betriebe dabei zu unterstützen, ihre Böden widerstandsfähiger gegenüber Klimaveränderungen zu machen und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähige Bewirtschaftungssysteme zu etablieren. „Für die Landwirtinnen und Landwirte ist der Boden die zentrale Grundlage ihres Arbeitens. Ihn zu erhalten, heißt, die eigene Zukunft zu sichern. Gleichzeitig sehen wir in der Praxis, dass gegenüber bodenschonenden Verfahren wie der Direktsaat noch Vorbehalte bestehen – auch aufgrund zusätzlicher Anforderungen. Genau hier setzen wir an: Wir wollen Lösungen so aufbereiten, dass sie im Betriebsalltag funktionieren“, sagte Landwirtschaftsministerin Schmachtenberg.
Prof. Dr. Conrad Wiermann, Professor für Pflanzenernährung und Bodenkunde an der HAW Kiel, sagte: „Um Ackerbausysteme zukünftig an die Auswirkungen des Klimawandels besser anpassen zu können, müssen die heutigen Bodenbewirtschaftungssysteme vielerorts überdacht werden. Hierbei gilt der Grundsatz: Weniger Bearbeitungsintensität bedeutet häufig mehr Bodenfruchtbarkeit und damit besseres Kompensationsvermögen gegenüber zunehmenden Extremwetterlagen.“
Im Fokus des Projekts steht die nachhaltige Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit sowie der Wissenstransfer. Intakte Böden sichern nicht nur Erträge, sondern spielen eine entscheidende Rolle für den Wasserhaushalt, die Nährstoffversorgung und den Klimaschutz. Untersucht werden unterschiedliche Bewirtschaftungssysteme – von konventionellem Pflugeinsatz über reduzierte Bodenbearbeitung bis hin zur Direktsaat. Ziel ist es, Verfahren zu identifizieren und weiterzuentwickeln, die die natürliche Bodenstruktur stabilisieren, die biologische Aktivität fördern und die Wasser- sowie Nährstoffverfügbarkeit verbessern. Gleichzeitig können diese Systeme Erosion reduzieren und zum Schutz von Gewässern und Klima beitragen.
Ein Schwerpunkt liegt auf der praxisnahen Umsetzung: Auf insgesamt elf Demonstrationsbetrieben werden die Verfahren unter realen Bedingungen getestet und wissenschaftlich begleitet. Dabei werden fachliche und wirtschaftliche Auswirkungen analysiert. Studien zeigen, dass reduzierte Bodenbearbeitungssysteme oft vergleichbare Erträge wie konventionelle Pflugverfahren erzielen können. Gleichzeitig bieten sie Vorteile hinsichtlich Bodenstruktur, Wasserinfiltration, biologischer Aktivität und Ertragssicherheit – insbesondere unter extremen Witterungsbedingungen.
In der praktischen Umsetzung bodenschonender Verfahren bestehen noch Herausforderungen, etwa beim Pflanzenschutz, im Nährstoffmanagement oder bei technischen Anforderungen. Das Projekt greift diese Fragestellungen gezielt auf und entwickelt gemeinsam mit der Praxis Lösungsansätze. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Beratung, Wissenstransfer und dem Austausch mit landwirtschaftlichen Betrieben.
Die Ergebnisse werden über Feldtage, Fachveranstaltungen, digitale Angebote und Leitfäden zugänglich gemacht. Ziel ist es, Landwirtinnen und Landwirte bei der Umstellung zu unterstützen, Wissen in die Breite zu tragen und langfristig klimaangepasste, wirtschaftlich tragfähige Bewirtschaftungssysteme zu etablieren.
Weitere Informationen:
- Kompetenzzentrum für klimaeffiziente Landwirtschaft: schleswig-holstein.de - Ministerium für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz - Kompetenzzentrum Klimaeffiziente Landwirtschaft
- Projekt „Klimafitte Böden“: Start - Klimafitte Böden


