Menschen auf Promenade© E. Hansen/HAW Kiel

Bundesverkehrsminister besucht CAPTN Initiative in Kiel

von Rafael Vester

Etwa 80 Vertreter*innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Presse haben sich am Dienstag (11.8.2026) mit Bundesverkehrsminister Steffen Bilger in der Seeburg in Kiel getroffen. Im Fokus stand dabei die Forschung der CAPTN Initiative zur Zukunft der Mobilität, insbesondere zu den Fortschritten auf dem Weg zur autonomen Schifffahrt. Der Minister besuchte die Forschungsplattform MS Wavelab – inklusive Ausfahrt auf der Kieler Förde. Außerdem gab die CAPTN Initiative Einblicke in das Remote Operation Center – die digitale „Schaltzentrale“ für die Erforschung autonomer Mobilitätslösungen.

Mehrere Personen vor der Kieler Förde©E. Hansen/HAW Kiel

„Mit der Förderung der Forschungsplattform MS Wavelab investieren wir in die Erforschung des Öffentlichen Nahverkehrs von Morgen. Das Projekt macht große Fortschritte und ich freue mich, wenn die erste autonome Fähre ihren Betrieb aufnimmt. Die CAPTN Initiative zeigt, wie die Mobilität der Zukunft im ÖPNV aussehen kann. Ich danke allen Beteiligten für den heutigen spannenden Einblick vor Ort“, sagte Bundesverkehrsminister Steffen Bilger bei seinem Besuch in Kiel.

„Die CAPTN-Initiative ist ein herausragendes Beispiel dafür, wie langfristig gute Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Unternehmen und öffentlichen Partnern greifbare Ergebnisse schaffen kann. Mit dem geplanten Projekt Sventana zeigt sich eindrucksvoll, dass aus Forschung eine konkrete Umsetzung werden kann und hier nachhaltig in Innovation, Verkehrssicherheit und Klimaschutz investiert wird,“ sagte Prof. Björn Christensen, Präsident der HAW Kiel.

Hauke Schramm, Professor für Informationstechnologie an der HAW und verantwortlich für die Erforschung der optischen Sensorik und Objekterkennung für autonome Passagierfähren auf der Kieler Förde im Rahmen von CAPTN, ergänzt: „CAPTN ermöglicht Studierenden spannende Einblicke in hochaktuelle Forschungsprojekte und sorgt dafür, dass Lehrende durch ihre Forschung stets auf dem neuesten Stand sind. Wir als Hochschule profitieren davon, indem wir theoretische Konzepte aus den Hörsälen und der Forschung in die Praxis überführen und uns somit als Technologiepartner der Unternehmen etablieren."

Männer vor einem Poster©E. Hansen/HAW Kiel
Prof. Hauke Schramm (rechts) stellt Verkehrsminister Bilger die Arbeit der HAW Kiel vor.
Zwei Männer vor einer Stellwand©E. Hansen/HAW Kiel
Prof. Hauke Schramm (rechts) und Doktorant Bjarne Kühl präsentieren die Arbeit der HAW im Rahmen der CAPTN Initiative.

Saubere und Sichere Mobilität zu Wasser und an Land

CAPTN – das Clean Autonomous Public Transport Network – ist ein interdisziplinäres Forschungs- und Innovationsnetzwerk mit Sitz in Kiel. Seit 2018 bringt die Initiative Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung zusammen, um eine autonome, saubere und sichere Mobilitätskette für den öffentlichen Nahverkehr zu Wasser und zu Land zu entwickeln – mit dem Startpunkt Kiel und der Vision, die Lösungen auf Deutschland und die Welt auszuweiten. CAPTN versteht sich als offenes Markendach: Unter diesem Namen sind bereits zahlreiche eigenständige, aber eng verzahnte Kooperationsprojekte mit einem Projektvolumen von über 40 Mio. Euro entstanden, und die Initiative lädt kontinuierlich neue Partner ein, sich an dieser Zukunftsvision zu beteiligen.

Vision & Mission

Die Vision von CAPTN ist ein urbanes Mobilitätssystem, das durch autonome Lösungen geprägt ist: integriert, sicher und attraktiv, mit deutlich reduziertem Individualverkehr und einer intelligenten, klima- sowie nutzerfreundlichen Verknüpfung der Verkehrsträger zu Land und zu Wasser. Die Mission der Initiative besteht darin, technische, wirtschaftliche, soziale, gestalterische und gesellschaftspolitische Fragen bewusst zusammenzudenken, um innovative, vermarktbare und nachhaltige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln und weltweit anzubieten.

Struktur: Ein wachsendes Netzwerk

Initiiert wurde CAPTN 2018 von der CAU, seither ist ein breites Bündnis aus Hochschulen – wie der HAW Kiel und der Hochschule Flensburg – der Stadt Kiel und Unternehmen – etwa Anschütz, ADDIX, TKMS oder AVL – entstanden. Als zentrale Anlaufstelle für alle Projektpartner wurde 2022 das CAPTN Netzwerkbüro bei der Wissenschaftszentrum Kiel GmbH gegründet. Es koordiniert die Projektlandschaft, schafft gemeinsame Strukturen und verantwortet die interne sowie externe Kommunikation der Dachmarke und ist zugleich die Tür, durch die neue Partner in die Initiative einsteigen können.

Reporter mit Mikros©E. Hansen/HAW Kiel
Verkehrsminister Steffen Bilger besuchte die Seeburg an der Kieler Förde, um mehr über die CAPTN Initiative zu erfahren.

Projekte und Förderlandschaft

Unter dem Dach von CAPTN sind vielfältige Kooperationsprojekte entstanden, die von unterschiedlichen Bundes- und Landesministerien gefördert werden – ein Beleg für die Breite und Anschlussfähigkeit der Initiative. Besonders hervorzuheben ist dabei das Bundesministerium für Verkehr (BMV): Es hat mit seiner Förderung die Initiative von Beginn an entscheidend vorangebracht und zählt bis heute zu den wichtigsten Förderern für den Fortschritt von CAPTN. So bewilligte das BMV 2021 das Projekt Förde Areal und damit den Aufbau eines digitalen Testfelds sowie den Bau des Forschungskatamarans „MS Wavelab", der seit 2023 autonome Schifffahrt auf der Kieler Förde erforscht. Ende 2025 wurde diese Förderung durch das Projekt CAPTN Förde Areal III im Rahmen der DTW-Richtlinie (zur Erprobung von Systemen für das automatisierte und autonome Fahren auf Bundeswasserstraßen) weiter ausgebaut. Die F&E GmbH ist Leadpartnerin und Eignerin der MS Wavelab. Ebenfalls vom BMV gefördert wurde das Projekt CAPTN Förde 5G zur Erprobung maritimer 5G Anwendungen, besonders in den Bereichen autonome Schifffahrt, Hafenlogistik und Segelsport.

Weitere Ministerien und Programme ergänzen dieses Fundament und zeigen die Vielfalt der CAPTN-Projektlandschaft: Das BMFTR (vormals BMBF) fördert über die WIR!-Förderlinie das Projekt CAPTN Energy zur Verteilung und zum Transport erneuerbarer Energien; das Land Schleswig-Holstein (MEKUN) steuert eine Kofinanzierung bei. Das Land Schleswig-Holstein unterstützt CAPTN als Innovationsnetzwerk zudem über EFRE-Mittel und die KI-Förderrichtlinie, wovon etwa das Projekt CAPTN Flex profitierte, das KI und Verkehrsdaten nutzt, um einen flexiblen, bedarfsorientierten öffentlichen Nahverkehr und optimierten Verkehrsfluss zu entwickeln. Das BMW fördert seit Oktober 2024 CAPTN X-Ferry, das am Beispiel der MS Wavelab erforscht, wie (teil-)autonome Schiffe selbständig Ihr Navigationsverhalten Passagieren und nautischem Personal erklären können, um so die Akzeptanz zu erhöhen.

katamaran auf dem Wasser©E. Hansen/HAW Kiel
Die MS Wavelab legt mit dem Verkehrsminister an Bord ab.

Vom Versuchsträger MS Wavelab zum Prototyp einer autonomen Pendelfähre

Wie sich die Förderung bereits auszahlt, zeigt der nächste Entwicklungsschritt der Initiative: das Projekt CAPTN Sventana. Gefördert durch das Land SH und aufbauend auf den Erkenntnissen des Forschungskatamarans MS Wavelab soll im Rahmen des innovativen Fährprojekts eine teilautonome Passagierverbindung mit elektrischem Antriebskonzept entstehen. So soll das Schiff ab 2028 den Schwentine-Fluss zwischen den Kieler Stadtteilen Dietrichsdorf und Wellingdorf queren und dabei Platz für 35 Fahrgäste sowie zehn Fahrräder bieten. Damit macht CAPTN den entscheidenden Schritt vom Versuchsträger zum alltagstauglichen Prototyp – ein greifbares Beispiel dafür, wie aus der Vision einer autonomen, sauberen Mobilitätskette konkrete, nutzbare Realität für die Menschen in Kiel entsteht.

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