Kunst und Ziege© K. Plambeck

Boote stehen im Mittelpunkt der Ausstellung von Knud Plambeck

von Almut Behl

Das Boot als Prinzip und als Spielart: Stolz auf dem Wasser thronend oder still gestrandet? Mit realistischer Anmutung oder virtuos ins Abstrakte gekippt? In der Auseinandersetzung mit diesem symbolträchtigen Motiv hat der Bildhauer Knud Plambeck sein künstlerisches Lebensthema gefunden. Die Galerie des Bunker-D der HAW Kiel zeigt nun eine sehenswerte Werkschau über die vergangenen 20 Jahre seiner Arbeit mit unterschiedlichsten Materialien. 

Stahlblech, Beton und Bronze sind die meistverwendeten Werkstoffe des ausgebildeten Tischlers und studierten Industriedesigners. „Das Material ist Gold für mich“, sagte Knud Plambeck Mitte der 2010er Jahre über seine farbenfrohen Objekte aus verschweißten Blech-Fundstücken, teils mit Schriftzügen und vielfach mit Knicks, Dellen, Rost und Witterungsspuren versehen, mit denen er in seiner Galerie Wasserspiegel in Hamburg-Altona das Publikum erfolgreich verzückte. Mittlerweile hat sich der 50-Jährige immer weiter in Richtung Reduktion bewegt.

„Mit den Booten stelle ich mir Fragen nach Dimensionen“, so Plambeck, der im Frühsommer seine jüngste Kunst-am-Bau-Arbeit an der Strandpromenade in Eckernförde einweihte: Elegant gleiten stilisierte Segel auf gerader Wasserlinie als Relief von der Außenwand eines Privathauses wie Vektoren wasserwärts in imaginäre Weiten. Dieses geometrische und formal strenge, grafische Relief aus dünnen Metallrohren zeigt der Künstler in Varianten in seiner Ausstellung im Bunker-D, die bewusst „Vom Wesen zum Wesentlichen“ betitelt ist. 

Am Eingang zeigt sich ein seitlich gekippter Bootsrumpf in Rückansicht mit körperhafter Charakteristik. „Inside out“ (2008) entpuppt sich nach der Umrundung als absurd verdrehter Korpus zur Hälfte kieloben. Erwartet das Publikum auch Metaphern für menschliche Konflikte? Möglich wäre es. 

Die Schau spannt einen Bogen von Plambecks initialen Überlegungen vom Boot als Abbild bis zur neuesten abstrakteren Werkreihe namens „Cenite concrete“: Stahlspitzen auf 110 cm hohen Betonstelen mit verschiedenen bearbeiteten Kanten greifen Licht und Schattenverläufe auf und im Wasser auf, thematisieren den reizvollen Kontrast aus statischem Artefakt und dynamischer Bildwirkung. Ähnlich sind seine kleinformatigen Wandreliefs aus geknicktem Stahlblech, die eine Draufsicht auf seine fast güldene Wasseroberfläche suggerieren, hier verlieren sich kleine Dreieckspitzen als Segel wie zaghafte Lebenszeichen auf hoher See. „Ich will mich mit dem Inhaltlichen auseinandersetzen, das Material ist nur Vehikel“, sagt Plambeck heute. 

Das Spektrum realistischer, witziger und opulent ausgestalteter Unikate, auf minimale Charakteristika reduzierter Kleinstobjekte ebenso wie schwere Bäuche aus Beton oder Bronze-Brocken wirkt fast wie ein menschliches Panoptikum zwischen schlanken Schönheiten und wuchtigen Majestäten, Symbole zwischen Stolz und Scheitern, die Wracks und Totenschiffen ähneln. Hier liegt ein archaisch wirkender Ozeanriese aus altem Holz meterlang da, der zweiteilige Rumpf wie chirurgisch brutal mit rostigen Metallklammern zusammengenäht, drei Rohre fingieren die Schornsteine. Dort erinnert eine Art Maurerkelle, die aus einem schweren Papierschiffchen ragt, an die Readymades von Marcel Duchamp. 

„Wenn man zu verkopft ist, kommt man nicht weiter“, sagt Plambeck, der sich immer wieder „vehement und konsequent“ auf Zufälle und Neues im Schaffensprozess einlässt. So können kleine Unfälle beim Ausgießen der Bronzemodelle zu unerwarteten Löchern oder Unebenheiten führen, die bei der nächsten Arbeit einkalkuliert, aber immer wieder neu stets auch dem Zufall überlassen werden.

 

Knud Plambeck, geboren 1976 in Ulm, studierte nach einer Tischlerausbildung Produktdesign zunächst in Schwäbisch Gmünd und von 2000-2004 an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. 2004-2006 Arbeit als selbstständiger Designer in Kiel. 

2006 gründete er die Galerie Wasserspiegel in Hamburg-Altona. Kontinuierlich internationale Einzel- und Gruppenausstellungen, darunter ElbArt Hamburg und la fabrica (2008 Menorca), im Altonaer Museum und der Galerie emblanco Berlin (2009), Bootsmesse Düsseldorf 2012) Kunstverein Schenefeld (2013), Hanseboot 2015, Fischhalle Harburg (Ausblick 2017), Galerie Francisco Taller (Pazos, Spanien 2018), Galerie Elbchaussee Hamburg (2018), Galerie Brügger Bern (2019), Brunswiker Pavillon Kiel (2020), Torhaus Wellingsbüttel (2021), Schleusenhaus Stade (2023), Klostersande Glückstadt (2024), Robbe&Berking Flensburg (2025). 

Er hat zahlreiche Auftrags-Bauwerke und Skulpturen im öffentlichen Raum geschaffen. Knud Plambeck lebt seit 2019 seiner Familie in Groß Wittensee. 

www.wasserspiegel.com

kontakt@wasserspiegel.com

 

Eröffnung: Donnerstag, 10. September 2026, 18 Uhr

Bunker-D, Schwentinestraße 11, 24149 Kiel

Begrüßung: Markus Schack, Zentrum für Kultur- und Wissenschaftskommunikation HAW Kiel

Einführung: Dr. Bärbel Manitz, Kunsthistorikerin

Ausstellungsdauer: 10. September bis 21. Oktober 2026

Die Galerie ist montags bis freitags von 10 bis 14 Uhr und mittwochs von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Kultur- und Kommunikationszentrum Bunker-D

Schwentinestraße 11. 24149 Keil

www.haw-kiel.de/bunker-d

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