Konstruktion und Zerstörung, Bedrohung und Schutzbedarf, Kontrolle und Macht. Für den Kieler Künstler Patrick Wüst stehen diese Themenkomplexe im Mittelpunkt seiner Arbeit. Der Absolvent der Kunstakademie Karlsruhe setzt sich anhand verschiedener Architekturen mit dem Spannungsverhältnis zwischen Utopie und Dystopie auseinander.
Für seine aktuelle Schau "Ruins of a Future Past" (7. Mai – 17. Juni 2026) hat er den Bunker-D verdunkelt und einen Rundgang mit sieben Installationen konzipiert. Dieser vereint seine wichtigsten Film- und Fotoarbeiten und mündet in das eigens für diese Ausstellung konzipierte Video "Cyberbunker". Thematisiert werden historische Visionen realer und fiktiver Räume, um Fragen zu (technologischen) Machtverhältnissen zu beleuchten. „Für mich hat Zeitlichkeit eine zentrale Bedeutung. Fragen nach einer besseren Zukunft, dem ständigen Streben nach einem Anderswo und die Logik des Scheiterns“, sagt der 33-jährige.
Mit Ausnahme der Videoinstallation "Schutt Schutt Schutt", in der Wüst mit einem Baseballschläger um einen Ausstellungsaufbau kreist, sind seine Szenarien menschenleer. Die titelgebende Arbeit "Ruins of a Future Past" mit Fotos bedruckten Stoffbahnen lässt in zertrümmerten Relikten aus Wüsts Atelier Verweise auf Caspar David Friedrichs Gemälde „Eismeer“ aufscheinen. Diesen stellt er das Video-Triptychon "Concrete Concerto No 1" gegenüber: zivile Hochhaus-Sprengungen im dramaturgischen Vor- und Rückwärtslauf. Nicht nur im Kontext von Nachrichtenbildern lassen sich so „Grenzen zwischen Schaulust und Schrecken aufzeigen“, betont Wüst.
Für seine Masterarbeit "Cold Data – Cloud unplugged" ging der Künstler in seinem Studium „Raumstrategien“ an der Muthesius Kunsthochschule der Frage der Verletzlichkeit digitaler Daten nach. In einem Open Call rief Wüst Mitwirkende dazu auf, ein einziges Foto einzureichen, das vor einer unwiderrufbaren Cloud-Löschung für immer bewahrt werden könnte. Für diese fortlaufende Arbeit, die bis dato 114 private Bilder auf langlebigem analogem Dia-Film zeigt, erhielt Patrick Wüst 2025 den Arthur-Petersen-Preis der Muthesius Kunsthochschule.
Mit der neusten Videoarbeit "Cyberbunker" stellt Wüst die Bunkeranlagen des Atlantikwalls als Relikte militärischer Überwachung modernen Rechenzentren gegenüber. Diese besitzen als ‚funktionale Festungen‘ des digitalen Zeitalters physische Realität, betont Wüst: „Sie sollen das unsichtbare Gold des 21. Jahrhunderts schützen: Daten.“
Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 7. Mai 2026, 18:00 Uhr
Begrüßung: Markus Schack, Leiter des Zentrums für Kultur- und Wissenschaftskommunikation der HAW Kiel
Einführung: Almut Behl, Freie Journalistin
Musik: Kaja Aust, Klavier
Diskussionsabend:
20. Mai 2026, 17:00 Uhr
„Die Cloud, die Data-Apokalypse und ich –Auszüge aus dem Projekt Cold-Data“
Weitere Informationen unter: www.patrickwuest.de
Ausstellungsdauer: 7. Mai bis 17. Juni 2026
Kultur- und Kommunikationszentrum Bunker-D, Schwentinestraße 11, 24149 Kiel,
www.haw-kiel.de/bunker-d
Patrick Wüst, 1993 in Sinsheim geboren, studierte bis 2018 freie Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe bei Daniel Roth, 2018-2019 als dessen Meisterschüler. 2019 bis 2023 folgte das Studium „Raumstrategien“ an der Muthesius Kunsthochschule Kiel (M. A.).
Wüst erhielt zahlreiche Projektförderungen, darunter 2018 ein Stipendium der Heinrich Hertz-Gesellschaft und ein Arbeitsstipendium des Landes Schleswig-Holstein (2024). Kontinuierliche Ausstellungsbeteiligungen seit 2014, u. a. Re: done, Kunstverein Wilhelmshöhe, Ettlingen (2014), Projektionen Stummfilmtheater Delphi, Berlin (2015), Mädchen62, Villa Kolb, Karlsruhe (2016), The Sun to Come – Regionale 20 – Kunstverein Freiburg (2019), Schwarz, Weiß, Grau, Bunkerhill Hamburg (2020), Bass By’s –Screening Series, SOA Krefeld, Die Anderen, Kunstinitiative EKHN, Wiesbaden (2020); Beyond REM, OnSpace Kiel, Jahreszeig 90°, Kiel (2022), Gottfried Brockmann Preis, Stadtgalerie Kiel (2023), Landesschau des BBK SH, Museumsberg Flensburg (2024), Contemporary Art Ruhr-Photo/Media Art, Zeche Zollverein Essen (2025).
Patrick Wüst ist Mitglied im Kunstbeirat der Landeshauptstadt Kiel sowie Mitglied der Präsidialversammlung und des Kulturausschusses des deutschen evangelischen Kirchentags. Er lebt und arbeitet in Kiel.


