Cooles Outfit, fancy Pose – klick. Das Bild vom Outfit of the Day (OOTD) ist im Kasten, die erste Instagram-Story des Tages online. Während andere ihren Morgen mit einer heißen Dusche und einem Becher Kaffee beginnen, spricht Lotte Kuper schon in die Kamera: „Ich rede einfach über alles, was mir einfällt. Online ist die 21-Jährige als sprottelotte bekannt. „Anschließend schaue ich noch kurz in meine DMs“ und meint damit die Nachrichten von ihren rund 10.000 Instagram-Followern. „Und dann muss ich los.“ Denn hauptberuflich studiert die gebürtige Hamburgerin Betriebswirtschaftslehre an der HAW Kiel.
Content ohne Konzept
Vor etwa zwei Jahren sitzt Kuper in der Sonne. Der Frühling beginnt gerade – und mit ihm ihre Social-Media-Karriere. „Aus Langeweile habe ich ein Lip-Sync-Video auf TikTok hochgeladen“, erinnert sie sich „Von da an habe ich unregelmäßig Content gepostet – immer wie ich Lust hatte.“ Knapp ein Jahr später folgt das erste Reel für Instagram: „Das ist mittlerweile meine deutlich stärkere Plattform.“
Kupers Inhalte bestehen dort vor allem aus Storys. „Mal poste ich tagelang keine Reels, aber meine Story ist immer gefüllt.“ Sie hat kein starres Konzept, sprottelotte teilt, was sie erlebt und beschäftigt. Mal fällt das Handy in die Pizza, mal fragt sie, ob Müsli eigentlich Suppe ist. Aber auch ernstere Themen wie Feminismus spricht sie an. „Genau dafür mag mich meine Community“, sagt sie „Sie kann sich mit mir identifizieren.“ Viele ihrer Follower kommen aus Kiel, die meisten sind Anfang zwanzig und weiblich. Mit ihnen steht sie im Austausch. „Die sind super aktiv, schreiben liebe Nachrichten und antworten auf meine Fragen.“ Manchmal trifft sie ihre Zuschauer*innen auch im real life: „Das erste Selfie habe ich beim Karaoke-Singen auf der Bühne gegeben“, erinnert sich Kuper an eine Begegnung mit einem Follower und lacht verlegen.
Kontrolle statt Konsum
Wenn sie abends auf DMs antwortet oder Content postet, ploppt irgendwann eine Meldung auf: „Ihr App-Limit wurde erreicht“. Dieses setzt sie sich bewusst. Mal ist es eine Stunde, mal sind es 15 Minuten. „Ich finde, man macht den besten Content, wenn man nur produziert und nicht konsumiert“, sagt sie und ergänzt: „Wenn ich selbst kein Social Media machen würde, wäre ich komplett offline.“ Auf Social Media wirkt für sie alles perfekt. „Menschen vergleichen sich und das ist auf Dauer für niemanden gesund“, meint Kuper. „Ich merke selbst, wie sich meine Selbstwahrnehmung verändert, wenn ich zu lange auf Social Media bin“.
Als Creatorin versucht sie es anders zu machen als viele ihrer Kolleg*innen: „Ich spreche auch über Unsicherheiten und möchte einen Mehrwert bieten – wenn ich keine gute Idee habe, poste ich lieber nichts.“ Für sie steht fest: „Ich verstelle mich nicht.“ So lehnt sie regelmäßig Werbe-Deals von Unternehmen, ab zuletzt für einen chinesischen Online-Marktplatz. Kuper ist gegen übermäßigen Konsum, stattdessen unterstützt sie lieber regionale nachhaltige Brands – immer ohne Bezahlung. „Social Media ist mein Hobby und ich möchte damit kein Geld verdienen“, erklärt sie.
Eine ganz normale Studentin
Zwischen OOTD und letzter Story sieht sich Kuper als eine „ganz normale“ Studentin. Ihr Studium an der HAW Kiel begann sie im September 2022. „Ich war immer schon gut in Mathe, aber wollte auch was in Richtung Marketing machen“, erklärt sie. Daher war das BWL-Studium die passende Wahl. „Außerdem hilft mir der Praxisbezug der HAW Kiel enorm beim Lernen.“ Durch ihr Studium hat sie auch ihren Job als Hilfskraft gefunden. Zwanzig Stunden im Monat unterstützt sie einen Professor bei der Öffentlichkeitsarbeit ihres Fachbereichs. „Man bekommt einen ganz anderen Blick auf die internen Prozesse der Hochschule“, verrät sie. Für die Zukunft hat Kuper klare Vorstellungen: „Ich möchte später nicht vor der Kamera stehen.“ Stattdessen interessiert sie sich für einen Job in der strategischen Kommunikation – Ideen entwickeln, Konzepte denken, hinter den Kulissen arbeiten. Sie ist sich sicher: „Die Kombination aus Studium, Nebenjob und Content Creation bereitet mich gut darauf vor.“ Umso wichtiger sei für sie der Ausgleich. Ihre Freizeit verbringt sie bewusst offline – beim Sport oder mit kreativen Projekten wie Nähen und Basteln.
Wenn Lotte Kuper am Abend nach einer Yogastunde nach Hause kommt, zündet sie Räucherstäbchen an, genießt die Ruhe in ihrer Einzimmerwohnung. Ein bewusster Moment ohne Bildschirm, ohne Scrollen.
Vielleicht ist genau das ihr Geheimnis: Content machen – und trotzdem nicht darin untergehen.
Instagram: sprottelotte
