ein Mann im Sakko auf einem Flur der HAW Kiel© J. Brunn
Das bisher größte Projekt für Prof. Klaas-Ole Kürtz ist die Konzeption und Einführung des neuen Bachelor-Studiengangs Cybersicherheit.

„Gemeinsam etwas Neues aufzubauen, war eine sehr positive Erfahrung“

von Celina Först

Als gebürtiger Heikendorfer hat Prof. Klaas Ole Kürtz zunächst an der CAU Kiel studiert und promoviert und arbeitete 13 Jahre lang als Unternehmensberater bei McKinsey & Company, bevor er im Januar 2025 Professor an der HAW Kiel wurde. Im Interview erzählt er von seiner Anfangszeit an der Hochschule und seinem Herzensprojekt, dem neuen Studiengang Cybersicherheit.

Herr Kürtz, bevor Sie an die HAW Kiel kamen, waren Sie bei McKinsey tätig. Was nehmen Sie aus dieser Zeit mit in die Lehre?

Ich glaube zwei Sachen im Wesentlichen. Das Erste ist die Breite, die man in der Unternehmensberatung durch die Arbeit mit verschiedenen internationalen Unternehmen gewinnt, weil man dadurch viele unterschiedliche Organisationen kennenlernt. Dadurch erkennt man, welche Muster überall ähnlich sind, aber auch, wie unterschiedlich Kulturen und Herausforderungen sein können. Das zweite wären die vielen Softskills. Fachwissen kann man nachlesen, aber gute Kommunikation, Menschen zu überzeugen und Veränderungen gemeinsam voranzutreiben, trainiert man vor allem in der Praxis. Genau das hoffe ich auch in die Lehre einzubringen.
 

Erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag an der HAW Kiel?

Ich hatte tatsächlich einen entspannten Start, weil ich nicht direkt zum Semesterbeginn angefangen habe, sondern bereits am 1. Januar. Dadurch hatte ich einen guten Vorlauf, konnte in Ruhe ankommen und hatte genug Zeit, Veranstaltungen vorzubereiten. Das war wirklich ein guter Einstieg, und fühlte mich hier sehr gut willkommen geheißen.

 

Wie haben Sie die ersten Monate in der Lehre dann erlebt, als es dann so richtig losging?

Man wird schon ein bisschen ins kalte Wasser geworfen. Die größte Herausforderung war für mich, das richtige Anspruchsniveau und die passende Lehr- und Prüfungsform zu finden. Gleichzeitig hat es aber viel Spaß gemacht, weil man merkt: Wenn man erklären kann, warum Themen relevant sind und wofür man sie in der Praxis braucht, erreicht man die Studierenden auch. Dann verstehen sie, warum sie etwas lernen oder ausprobieren sollen – und genau das macht die Lehre spannend.

 

Was motiviert Sie an Ihrem Job?

Besonders schön sind die Momente, in denen man merkt, dass man Studierende wirklich erreicht und sie sich plötzlich für ein Thema begeistern. Wenn dann jemand sagt, er möchte in dem Bereich eine Abschlussarbeit schreiben oder sich für den neuen Studiengang interessiert, ist das etwas Besonderes. Genau dieses Horizonte öffnen und Erfahrungen über den Tellerrand hinaus ermöglichen, finde ich an der Hochschule besonders spannend.

 

Gibt es ein Projekt oder einen Moment, der Ihnen an der HAW stark in Erinnerung geblieben ist?

Das größte Projekt, auf das ich sehr stolz bin, ist die Konzeption und Einführung des neuen Bachelor-Studiengangs Cybersicherheit zum Wintersemester 2026/27. Das war kein einzelner großer Moment, in dem ein Sektkorken geknallt hat, sondern ein langer Prozess mit vielen Gesprächen und viel Unterstützung. Gemeinsam etwas Neues aufzubauen, war eine sehr positive Erfahrung.

 

Was macht den Studiengang Cybersicherheit in Kiel besonders?

Mein Schwerpunkt liegt generell in der Wirtschaftsinformatik, besonders aber im Bereich Cybersicherheit. Dabei interessieren mich vor allem die organisatorischen und menschlichen Aspekte: Warum verhalten sich Menschen unsicher? Wie können Organisationen resilienter werden? Cybersicherheit ist heute keine reine IT-Aufgabe mehr, sondern auch Verantwortung der Geschäftsführung und aller Menschen in einer Organisation. Genau dieses Verständnis möchten wir auch im neuen Studiengang vermitteln, weswegen wir gemeinsam einen interdisziplinären Studiengang geschaffen haben: Informatik, Wirtschaftsinformatik, Cybersicherheit, breite Perspektiven.

 

Was hat Sie an der HAW Kiel am meisten überrascht?

Besonders bei der Entwicklung des neuen Studiengangs war die Unterstützung an der HAW Kiel eine unglaublich positive Erfahrung. Natürlich war es ein langer und teilweise bürokratischer Prozess, aber überall gab es Offenheit für Veränderungen und neue Ideen. Genau diese Bereitschaft, gemeinsam etwas möglich zu machen, habe ich hier sehr schnell als besonders wahrgenommen.

 

Welchen Rat würden Sie Kolleg*innen geben, die frisch an dieser Hochschule anfangen?

Ich glaube, man sollte den Gestaltungsfreiraum an der HAW aktiv nutzen. Natürlich gibt es feste Strukturen wie Modulbeschreibungen oder Prüfungsformen, aber am Ende hat man doch viele Möglichkeiten, im Sinne der Studierenden eigene Ideen einzubringen. Wichtig ist, sich diese frischen Ideen und die Motivation von außen langfristig zu bewahren.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

© Fachhochschule Kiel