Zwei Männer stehen auf de Kai der Kieler Gebr. Friedrich Werft: Sönke Stich (links) und Prof. Dr.-Ing. Hendrik Dankowski von der HAW Kiel © F. Schäfer

Zukunft der Schifffahrt: HAW Kiel erforscht klimafreundliche Bunkerlösungen

von Frauke Schäfer

Welche Kraftstoffe treiben die Schiffe von morgen an? Und wie können die Schiffe mit ihnen versorgt werden? Mit alternativen, klimafreundlichen Treibstoffen kommen neue Herausforderungen bei deren Bunkerung auf die Schifffahrt zu. Das an der HAW Kiel angesiedelte CAPTN‑Energy‑Projekt „Konzeptionierung einer Ship2Ship‑Bunkerlösung“ sucht gemeinsam mit der Kieler Schiffswerft Gebr. Friedrich nach Lösungen.

Ob Wasserstoff, Methanol oder Ammoniak – die Einführung nachhaltig erzeugter Treibstoffe in der Schifffahrt bringt neue Herausforderungen mit sich, für die Infrastruktur, die Bunkervorgänge und die Bunkerschiffe. Die Energiedichte dieser Treibstoffe ist geringer als die fossiler Brennstoffe. Schiffe müssen bei gleichem Tankvolumen mit nachhaltigen Treibstoffen häufiger betankt werden oder mehr Bunkerkapazität vorsehen. „Eine zentrale Frage der maritimen Energiewende ist deshalb, wie Schiffe bedarfsgerecht und ortsunabhängig mit solchen alternativen Kraftstoffen versorgt werden können“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Hendrik Dankowski vom Institut für Schiffbau und Maritime Technik an der HAW (Hochschule für Angewandte Wissenschaften) Kiel.

Bunkerschiffe als mobile Tankstellen 

Mobile Tankstellen in Form von Bunkerschiffen könnten echte Gamechanger sein. Schiffe könnten so auf See küstennah Kraftstoff tanken. Zwischenstopps in Häfen wären seltener nötig; die Reichweite von Schiffen, die mit klimafreundlichen Kraftstoffen betrieben werden, würde steigen. Deswegen möchte Dankowski im Rahmen des CAPTN‑Energy‑Projekts ein modular aufgebautes Bunkerschiff konzeptionieren, das eine flexible, sichere, hochautomatisierte und emissionsfreie Betankung von Schiff zu Schiff ermöglicht. Im Projekt wird außerdem untersucht, wo solche Bunkervorgänge durchgeführt werden können und woher das Bunkerschiff die erneuerbaren Kraftstoffe überhaupt beziehen kann. Aktuell ist die Verfügbarkeit von grünem Methanol beispielsweise noch sehr limitiert.

Multifuel-Anlage als Herzstück des Konzepts 

Eine flexible Multifuel‑Betankungsanlage ist Herzstück eines solchen Bunkerschiffs. Deren Konzeption verantwortet ein interdisziplinäres Team aus Schiffbau‑ und Elektrotechnikingenieur*innen der Kieler Gebr. Friedrich Schiffswerft. „Neben den technologischen Fragestellungen berücksichtigen wir sowohl die rechtlichen Rahmenbedingungen als auch sicherheitsrelevante Aspekte der Betankung“, erklärt Vertriebsleiter Sönke Stich. „Ziel ist ein belastbares Gesamtkonzept, das den sicheren und flexiblen Umgang mit einer Vielzahl alternativer Energiespeicher‑ und Energieträgersysteme ermöglicht – und damit einen konkreten Beitrag zu einer nachhaltigeren und klimafreundlicheren Schifffahrt leistet.“

Ausblick: Vom Konzept zum Prototypen 

Am Ende des auf drei Jahre angelegten Projekts soll ein erster Konzeptentwurf für das Multifuel‑Bunkerschiff und die modulare Betankungsanlage stehen, die idealerweise in Folgeprojekten realisiert werden könnten.

Hintergrund

Das Kieler CAPTN Energy-Projekt „Startervorhaben 3 - Konzeptionierung einer Ship2Ship-Bunkerlösung“ wird im Rahmen des WIR!-Programms vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit rund 533.000 Euro gefördert. Förderzeitraum: 01.07.2025 – 30.06.2028.

Der transdisziplinäre Verbund CAPTN Energy will mit innovativen Projekten die Umwandlung, Speicherung, Übertragung und Nutzbarmachung von erneuerbaren Energien für maritime Anwendungen vorantreiben und eine sichere Bereitstellungskette etablieren. Die Lage zwischen Nord- und Ostsee bietet hervorragende Voraussetzungen, um innovative Produkte und Dienstleistungen für die Energie- und Verkehrswirtschaft zu entwickeln. Die Nähe zum Wasser mit der vorhandenen Infrastruktur und das Verständnis für die maritimen Verbraucher sind wesentliche Erfolgsfaktoren.

 

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