eine Frau steht vor einer Grünfläche mit Solarpanels© A. Lakhe
HAW-Kiel-Alumna Avani Lakhe unterstützt mit datengetriebenen Analysen den Betrieb von Solarparks in ganz Europa.

Von Mumbai nach Kiel: Wie Avani Lakhe ihren Weg in die Energiewende fand

von Jana Walther

Als Avani Lakhe vor vier Jahren von Mumbai nach Kiel zog, hatte sie mehr vor als „nur“ ihren Masterabschluss zu machen. Sie wollte dorthin, wo Innovation entsteht, technologische Entwicklungen vorangetrieben werden und sie ihr Wissen praktisch anwenden kann. Deutschland war deshalb eine bewusste Entscheidung, ebenso die HAW Kiel. Heute arbeitet die 25-jährige Informatikerin als Data Analyst (PV Operations) in Hamburg bei CHINT Solar und unterstützt mit datengetriebenen Analysen den Betrieb von Solarparks in ganz Europa. Dass sie einmal in der Energiewirtschaft landen würde, war zu Beginn ihres Studiums allerdings noch nicht geplant.

In Mumbai schloss Avani zunächst ein Bachelorstudium im Bereich Informatik und Ingenieurwissenschaften ab. Schon damals stand für sie fest, dass sie sich fachlich weiterentwickeln und internationale Erfahrungen sammeln wollte. Deutschland rückte dabei schnell in den Fokus. „Ich wollte nicht nur einen weiteren Abschluss. Ich wollte dorthin, wo Innovation stattfindet“, erinnert sie sich. Neben den akademischen Möglichkeiten faszinierte sie vor allem Europa als Lebensraum. Die Vorstellung, auf einem Kontinent zu wohnen, auf dem so viele unterschiedliche Kulturen, Sprachen und Traditionen auf engstem Raum zusammenkommen, empfand sie als unglaublich spannend. Obwohl sie vor ihrem Umzug noch nie in Europa gewesen war, wagte sie den Schritt. „Ich war zwar gut vorbereitet und hatte trotzdem kaum eine Vorstellung, was mich hier erwarten würde.“

Bewusste Entscheidung für die HAW Kiel

Während viele internationale Studierende klassische Universitäten bevorzugen würden, entschied sich Avani ganz bewusst für eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Nach ihrem Bachelorstudium verfügte sie bereits über eine starke theoretische Grundlage. Nun suchte sie vor allem Praxisnähe und den direkten Bezug zu realen Fragestellungen. An der HAW Kiel begann sie zunächst den Masterstudiengang Information Engineering. Während ihrer Studienzeit wurde dieser allerdings eingestellt und in den Masterstudiengang Computer Science überführt. Was zunächst nach einer Unsicherheit klang, entwickelte sich für Avani zu einer Chance, ihr Studium noch stärker an den eigenen Interessen auszurichten.

Besonders prägend war für sie sei die offene und persönliche Studienkultur gewesen. Anders als in ihrem Bachelorstudium in Indien, wo Lehrpläne sehr strikt vorgegeben waren, erlebte sie in Kiel deutlich mehr Gestaltungsspielraum. Studierende würden ermutigt, eigene Interessen einzubringen, fachübergreifend zu denken und ihren Studienverlauf aktiv mitzugestalten.

Diese Offenheit ermöglichte es ihr beispielsweise, Veranstaltungen aus dem Bereich Data Science zu belegen, obwohl diese ursprünglich nicht in ihrem Studienplan vorgesehen waren. Gemeinsam mit den Lehrenden wurden individuelle Lösungen gefunden, um ihre fachlichen Interessen einzubinden.

Auch die persönliche Betreuung sei ihr in sehr guter Erinnerung geblieben. Die direkte Erreichbarkeit vieler Professorinnen und Professoren, kurze Kommunikationswege und die Bereitschaft, Studierende bei ihren Ideen zu unterstützen, hätten ihre Studienzeit begleitet. Auch das Miteinander unter den Studierenden sei für sie bedeutend gewesen. Kein Konkurrenzdenken, dafür aber gegenseitige Unterstützung und Wertschätzung: „Das war für mich schon besonders und hat mich bis heute geprägt.“

Studium und Beruf greifen ineinander

Während ihres Masterstudiums begann Avani bereits als Werkstudentin bei CHINT Solar zu arbeiten. Dort kam sie erstmals intensiv mit der Welt der erneuerbaren Energien in Berührung. Gleichzeitig belegte sie an der HAW Kiel ein neues Modul zum Thema Advanced Machine Learning, dessen Inhalte überraschend gut zu ihren Aufgaben im Unternehmen passten. Aus dieser Verbindung entwickelte sich schließlich auch das Thema ihrer Masterarbeit. Gemeinsam mit ihrem betreuenden Professor Dr. Patrick Hennig beschäftigte sie sich mit datengetriebenen Methoden zur Überwachung von Solarparks. Ziel war es, technische Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen und deren Auswirkungen auf die Energieproduktion zu analysieren.

„Das Studium hat mir genau die Werkzeuge gegeben, die ich in meinem Beruf heute brauche.“

Rückblickend beschreibt sie diese Verzahnung von Studium und Beruf als einen entscheidenden Vorteil. Erkenntnisse aus der Hochschule konnte sie unmittelbar in ihrem Arbeitsalltag anwenden, während praktische Fragestellungen aus dem Unternehmen wiederum in ihre wissenschaftliche Arbeit einflossen. „Das Studium hat mir genau die Werkzeuge gegeben, die ich in meinem Beruf heute brauche.“

Nach ihrem Abschluss wechselte Avani direkt in eine Vollzeitstelle bei CHINT Solar. Heute arbeitet sie als Data Analyst (PV Operations) an der Schnittstelle von Data Analytics, Monitoring und Betriebsführung von Solarparks. Ihre Aufgabe besteht darin, große Datenmengen auszuwerten, Muster zu erkennen und technische Auffälligkeiten frühzeitig sichtbar zu machen. Wenn sie ihre Arbeit erklären soll, nutzt sie gerne dieses Bild „Wir sind die technischen Detektive für erneuerbare Energien.“

Frauen in der Informatik sichtbar machen

Was Avani heute besonders wichtig ist, ist die Rolle von Frauen in technischen Berufen. Schon während ihres Studiums war sie in der Minderheit. Das solle einen aber keinesfalls einschüchtern, findet sie: „Wenn du einen Hörsaal betrittst und fast nur Männer siehst, bedeutet das nicht, dass du dort nicht hingehörst. Es bedeutet viel mehr, dass wir mehr Frauen brauchen.“ Sie ist davon überzeugt, dass unterschiedliche Perspektiven Informatik, Forschung und Unternehmen bereichern. Deshalb möchte sie insbesondere junge Frauen dazu ermutigen, ihren Interessen zu folgen und sich nicht von bestehenden Strukturen abschrecken zu lassen.

 

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