Dokumente zusammensammeln, Koffer packen und parallel eine Wohnung auf einem anderen Kontinent finden – bei Melina Bouman laufen die letzten Vorbereitungen für ihr Auslandssemester auf Hochtouren. Nur noch wenige Wochen und rund 16 Flugstunden trennen die Wirtschaftsingenieursstudentin von ihrem Auslandsjahr in Mexiko. Für ihren Doppelabschluss wird sie zwei Semester an der Tecnológico de Monterrey studieren.
Ein unerwartetes Jobangebot
Der Weg nach Mexiko beginnt bereits in Boumans erster Vorlesung an der HAW Kiel. Studiengangsleiter Prof. Dr. Tobias Specker erzählte damals über internationale Möglichkeiten im Studium und die Mexikanisch-Deutsche Hochschulkooperation (MDHK), die er als Gesamtkoordinator leitet. Plötzlich zeigte er auf die Erstsemesterstudentin: „Du wirst für mich arbeiten.“ Für Boumann kam das Angebot unerwartet: „Ich habe zuerst gedacht, das sei ein Scherz“, erinnert sie sich. Doch nach der Vorlesung machte Specker der gebürtigen Wuppertalerin tatsächlich ein Jobangebot als Projektkoordinatorin der MDHK. „Er fand, ich sah besonders organsiert aus“, erklärt sie „Und das bin ich auch.“
Die MDHK organisiert neben Doppelabschlüssen auch eine jährliche Winter School an der Tecnológico de Monterrey. Zwei Wochen lang erleben Studierende dort Vorlesungen, Unternehmensbesuche und das Campusleben in Mexiko. In den ersten eineinhalb Jahren unterstützte Bouman die Organisation zunächst von Kiel aus. Als Projektkoordinatorin für die Winter School reiste sie im Februar dann selbst nach Mexiko. „Ich war für die Kommunikation mit den Studierenden, den Professor*innen und der Partnerhochschule verantwortlich“, erzählt sie. Neben der Organisation blieb aber auch Zeit, das Land kennenzulernen – eine Erfahrung, die ihre eigenen Pläne grundlegend verändern sollte.

Eine Reise, die alles veränderte
Denn eigentlich hatte sich Bouman für einen Doppelabschluss an der Tongji-Universität in Shanghai entschieden. „Ich war dort bereits für die Summer School“, erzählt sie. Auch die Bewerbung für den Doppelabschluss war längst abgeschickt. Doch dann reiste sie nach Mexiko – und änderte ihre Pläne. „Die Menschen dort haben mich einfach überzeugt. Sie sind unglaublich lebendig“, erinnert sie. Statt nur den Austausch zu koordinieren, saß sie bei mexikanischen Familien am Esstisch, wurde zu Aktivitäten eingeladen und lernte das Alltagsleben kennen. „Das Land, die Kultur, die Menschen, die Wärme – sowohl die physische Wärme als auch die Wärme der Menschen, haben es mir angetan“, sagt sie. Mit diesen Gefühlen kehrte sie nach Kiel zurück. Die Entscheidung gegen China fiel ihr zunächst schwer. „Ich bin eigentlich jemand, der etwas anfängt und dann auch durchzieht“, sagt sie. Erst durch den Zuspruch ihres Umfelds habe sie sich erlaubt, ihre Pläne noch einmal zu ändern. Gemeinsam mit dem International Office wurde der Wechsel schließlich möglich. „Das Team wollte am Ende einfach das Beste für mich.“ Heute ist alles organisiert und Ende Juli startet sie ihr Abenteuer in Mexiko.
Leben statt nur studieren
Im kommenden Jahr wartet ein vielfältiges Programm auf sie. „Im ersten Semester werde ich neben den regulären Vorlesungen auch sogenannte Life-Lectures besuchen“, erklärt sie. Dabei kann sie aus zahlreichen Wahlkursen wählen – von Salsa über verschiedene Sportarten bis hin zu Handarbeit. „Ich möchte wahrscheinlich Töpfern und Schwimmen machen.“ Besonders gespannt ist sie auf den Campus der Tecnológico de Monterrey. „Theoretisch musst man den Campus nie verlassen“, erklärt sie. Neben Hörsälen gibt es dort zahlreiche Restaurants, Freizeitangebote und Sporteinrichtungen. „Man kann dort lernen, seine Freizeit gestalten und auch leben.“ Statt ins Studentenwohnheim möchte sie jedoch in eine WG mit Mexikaner*innen ziehen. „Ich möchte möglichst viel Spanisch sprechen und das Leben abseits des Campus kennenlernen.“ Bei der Wohnungssuche helfen ihr mexikanische Freund*innen, die sie während der Winter School kennengelernt hat.
Nach dem ersten Semester wird Bouman ein 18-wöchiges Praktikum absolvieren – das ist Teil des Doppelabschluss-Programms. Am liebsten würde sie dafür noch einmal innerhalb Mexikos umziehen. „Ich möchte gerne noch eine weitere Stadt kennenlernen“, sagt sie. Ob sie dort auf Deutsch, Englisch oder Spanisch arbeitet, ist für sie zweitrangig. „Mein Schulspanisch ist deutlich besser, als ich zunächst dachte“, erzählt sie. Das Sprechen falle ihr zwar noch schwer. „Aber ich bin sicher, dass das nach einiger Zeit in Mexiko kein Problem mehr sein wird.“ An das Praktikum schließt sich ihre Bachelorarbeit an. Ob sie diese in Mexiko beendet oder für die Verteidigung nach Deutschland zurückkehrt, möchte sie später entscheiden.
Denn am Ende geht es Bouman um weit mehr als einen Doppelabschluss. Sie möchte nicht einfach nur Auslandsstudentin sein. Sie möchte erleben, wie Menschen in Mexiko leben, lernen und arbeiten. Genau dieser Wunsch hat ihre Pläne verändert – und führt sie Ende Juli an die Tecnológico de Monterrey in Mexiko.
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