Eigentlich wäre Lina Schuppan nach dem Abschluss der Realschule gerne in die Fußstapfen ihres Großvaters getreten. „Der ist als Kapitän zur See gefahren“, schmunzelt die 42-Jährige. „Doch die Marine war damals für Frauen noch nicht bereit.“ Kurz liebäugelte sie damit, weiter zur Schule zu gehen, um später ein Studium aufnehmen zu können – begann dann aber eine Ausbildung zur Optikerin. Nach dem Abschluss arbeitete sie bei einem Optiker in Kiel-Wellingdorf. „Ich habe die Arbeit sehr gemocht“, erzählt Schuppan. „Auch weil ich dort die Gelegenheit hatte, mich in verschiedene Bereiche einzuarbeiten. So habe ich viel gelernt und es wurde über die Jahre nicht langweilig.“
Im Jahr 2010 lernte sie ihren heutigen Mann kennen und das Thema Studium kam erneut wieder hoch. Er hatte an der HAW Kiel Wirtschaftsinformatik mit Bachelor und Master abgeschlossen. Dieses Studium erschien auch Schuppan interessant, doch anstatt diesen Pfad weiter zu erkunden, nahmen die beiden eine andere Abzweigung und wurden Eltern. Als Schuppan nach der zweiten Elternzeit wieder ins Berufsleben zurückkehren wollte, gestaltete sich das als schwierig. „Als Mutter war ich mit vielen Vorurteilen konfrontiert“, erinnert sie sich an ihre frustrierende Erfahrung. „Zudem verfügte ich zwar über viele der gefragten Skills, konnte darüber aber nicht die geforderten Nachweise erbringen.“
Aller guten Dinge sind Drei
In dieser Zeit beschäftig Schuppan zum dritten Mal Intensiv der Gedanke an ein Studium. Und nun lässt sie diese Idee nicht mehr los. „Ich wollte mich verändern und entwickeln“, erinnert sich Schuppan. „Es sollte auf jeden Fall in Richtung Wirtschaft gehen. Um Familie und Studium miteinander vereinbaren zu können, sollte es ein Online-Studiengang sein. So ist es dann Wirtschaftsinformatik Online an der HAW Kiel geworden. Zunächst im Probestudium, weil ich ja keine Fachhochschulreife hatte aber meine Ausbildung und Berufserfahrung den Weg dennoch eröffneten.“ Schuppan startete 2021 mit viel Enthusiasmus und starkem Willen. „Neben der Mathe-Einführung habe ich auch noch Mathe-Nachhilfe genommen – schließlich lag meine Schulzeit schon knapp 20 Jahre zurück“, lacht sie.
Die erhoffte Vereinbarkeit von Studium und Familie trat ein – auch wenn die zwei Kinder mitunter abends am Spieltisch saßen, während ihre Mutter neben ihnen noch an einer Online-Veranstaltung teilnahm. „Ich habe sogar noch einen HiWi-Job bei der Zentralen Studienberatung angenommen“, erzählt Schuppan. „Das war eine tolle Tätigkeit. Ich bin mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammengekommen und konnte auch vielen helfen.“ Sie empfiehlt einen HiWi-Job weiter: „Man kann den eigenen Horizont zu erweitern und praktische Erfahrung sammeln.“ Selbst als sich im dritten Semester weiterer Nachwuchs ankündigte, behielt Schuppan das Heft in der Hand.
Studium und Familie
Das vierte Semester absolvierte Schuppan teilweise aus dem Wochenbett, und da sie bereits viele Veranstaltungen erfolgreich hinter sich gebracht hatte, blieb ihr schließlich die dringend benötigte Vorbereitungszeit für ihren Endboss Wirtschaftsrecht. Erst bei den Vorbereitungen für den dritten und finalen Anlauf machte es „Klick“, und sie konnte schließlich aufatmen. „Bereits während meiner Thesis habe ich Bewerbungen versendet“, erzählt Schuppan. „Das war für Verwaltungen und große Konzerne zu früh, denn die wollten nicht, dass ich Unterlagen nachreiche.“ Für Schuppan zunächst wieder eine frustrierende Erfahrung, doch schließlich eine Fügung.
Seit dem 11. Juni 2026 arbeitet Schuppan für den Deutschen Marinebund. Im Dachverband von mehr als 300 örtlichen Vereinen, Clubs und Marinekameradschaften kümmert sie sich unter anderem um die Mitgliederverwaltung und digitale Transformation. „Dabei ist mir das Studium immer wieder eine große Hilfe“, freut sich die dreifache Mutter. „Durch das breite Wissen kann ich Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, besser durchschauen und lösen.“ Aufgrund einer flexiblen Arbeitszeitregelung kann sie Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren und auch in Vollzeit arbeiten. Am meisten freut sie sich jedoch, dass ihr beharrlicher Wille, sich weiterzuentwickeln, sich ausgezahlt hat: „Ich habe einen abwechslungsreichen Beruf, der vieles von dem zusammenführt, was ich auch zuvor gerne getan habe. Und am Ende habe ich sogar einen Bezug zur Seefahrt“, freut sich Schuppan in Anspielung auf ihren allerersten Berufswunsch.
