Ein Boot, das fliegt – genau das wollen Studierende des Hochschulprojekts Förde Racer der HAW Kiel (Hochschule für Angewandte Wissenschaften) möglich machen. Das Team arbeitet derzeit am Entwurf einer sogenannten Motte. Dabei handelt es sich um ein kleines, schnelles Boot, dessen Rumpf sich bei hoher Geschwindigkeit mithilfe von Tragflächen, sogenannten Foils, aus dem Wasser hebt. Rund zwei mal drei Meter soll es am Ende messen und ohne Segler*in gerade einmal etwa 40 Kilogramm wiegen.
Bis das neue Boot mit dem Namen Möwe tatsächlich fliegt, ist es allerdings noch ein weiter Weg, denn mit dem Bau wurde noch nicht begonnen. Momentan steckt das Team mitten im Schiffsentwurf und hat sich dafür in verschiedene Arbeitsgruppen aufgeteilt – unter anderem für Rigg, Rumpf und Foils sowie für die Öffentlichkeitsarbeit. „Wir sind besonders stolz darauf, wie gut die Zusammenarbeit im Team funktioniert. Trotz der vielen verschiedenen Arbeitsgruppen schaffen wir es, uns regelmäßig auszutauschen und gut miteinander zu kommunizieren“, erzählt Amelie Meffert, die im dritten Semester Schiffbau an der HAW Kiel studiert und Teil des Förde Racer-Teams ist.
Mit ihrem selbst entwickelten Boot möchten die Studierenden 2028 an der SuMoth-Challenge in Italien teilnehmen. Bei dem internationalen Wettbewerb treten studentische Teams verschiedener Universitäten gegeneinander an, darunter renommierte Hochschulen wie die TU München und die University of Southampton. Die Teams entwickeln und bauen ihre Boote eigenständig und diese anschließend bei einer Regatta unter Beweis.
„Das Besondere an dem Wettbewerb ist, dass alles komplett nachhaltig gebaut wird“, erklärt Meffert. Dafür gibt es ein Budgetsystem mit einer eigenen Wettbewerbswährung: den SuMoth-Dollars. Je nach Arbeitsaufwand und verwendeten Materialien werden für die einzelnen Arbeitsschritte unterschiedlich viele SuMoth-Dollars berechnet und nach ihrem Einfluss auf die Umwelt bewertet. So kostet beispielsweise die Verwendung von Carbon mehr als der Einsatz von nachhaltigeren Materialien. „Das Ziel ist es, so nachhaltig wie möglich zu bauen, und je nachhaltiger das Boot ist, desto weniger kostet es am Ende. Es geht also darum, wer im Endeffekt das nachhaltigste Boot baut, das am besten performt“, so Meffert.

Eine der größten Herausforderungen für das Team ist, dass es nur auf wenige Erfahrungswerte zurückgreifen kann. „Im Schiffbau orientiert man sich normalerweise an anderen Schiffen und sammelt daraufhin Erfahrungswerte. Bei der Motte, an der wir jetzt arbeiten, gibt es wenig Vergleichsmaterial, auf das wir zurückgreifen können“, erklärt Meffert.
Das Team kann allerdings von den Erfahrungen aus vergangenen Projekten profitieren. Neben dem Bau von High Performance Waterbikes aus Kohlefaser, mit denen die Gruppe jedes Jahr an einer Regatta teilnimmt, hat sie mit der Vela (Layliner powered by BWT) auch schon ein eigenes Segelboot auf Basis von Flachsfasern und Hanf konstruiert. Dabei haben die Studierenden gelernt, ihre Arbeiten zu strukturieren und Aufgaben aufzuteilen.
Die gemeinsamen Projekte haben die Gruppe dabei nicht nur fachlich weitergebracht, sondern auch den Zusammenhalt unter den Studierenden gestärkt: „Ich habe das Team wirklich lieben gelernt“, erzählt Meffert. „Was ich außerdem so spannend an dem Projekt Förde Racer finde, ist, dass es die theoretischen Inhalte aus dem Studium direkt mit der Praxis verbindet. Wir entwickeln die Boote vom Entwurf bis zum Bau selbst und können am Ende sogar damit aufs Wasser.“



