55 Agragstudierende blicken in die Kamera.© J. Schwarze

Feierlicher Abschluss in Osterrönfeld

von Andreas Melfsen und Kathrin Urban

Osterrönfeld – Wenn sich am Fachbereich Agrarwirtschaft der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel die Studierenden zur Zeugnisübergabe versammeln, ist dies stets ein besonderer Höhepunkt des akademischen Jahres. Am Freitagnachmittag, den 10. Juli 2026, durften 42 Bachelor- und 13 Masterabsolvierende in der festlich hergerichteten Kammerhalle auf dem Rendsburger Norla-Gelände ihre lang ersehnten Urkunden entgegennehmen.

Dekan Prof. Dr. Martin Braatz ließ es sich nicht nehmen, die versammelten Gäste, Familien und frischgebackenen Akademiker herzlich zu begrüßen. In seiner gewohnt pointierten Art bilanzierte er eine hervorragende „quantitative und qualitative Ernte“ zum Ende dieses Sommersemesters. Der Bachelor-Jahrgang konnte sich über eine gute Durchschnittsnote von 2,47 freuen. Dass die Studienzeit dabei bei einigen etwas großzügiger ausfiel als ursprünglich geplant, verbuchte man schmunzelnd als besonderen Beweis für Ausdauer und Zielstrebigkeit. Die Masterabsolvierenden glänzten ebenfalls durch ein großes Engagement: Sie schlossen größtenteils in Regelstudienzeit ab und erreichten einen exzellenten Notenschnitt von 1,69.

Den Studierenden gab Braatz eine bekannte Lebensweisheit aus dem studentischen Alltag mit auf den Weg, als er resümierte, dass man oft „in Nachtstunden das aufholen muss, was man durch zu spätes Anfangen noch nicht erledigt hat.“ Zudem richtete er einen großen Dank an alle Mitarbeitenden, allen voran an die Verwaltung, die in einem Semester voller Herausforderungen und hoher Belastungen Außerordentliches geleistet habe. Braatz betonte auch, dass dieser Jahrgang besonderes Glück habe: Es sei das letzte Semester vor dem großen Baustress, da ab dem kommenden Wintersemester der umfangreiche Umbau des Lehrtrakts ansteht.

Im anschließenden Grußwort überbrachte Kerstin Gleser, Direktorin des Landesamtes für Landwirtschaft und nachhaltige Landentwicklung (LLnL) Schleswig-Holstein, die offiziellen Glückwünsche. Mit Blick auf die etwas längere Studiendauer der Bachelor-Absolventen merkte sie an: „Eine Verwaltung weiß sehr wohl, was gründliches Arbeiten bedeutet.“ Als typische Erfahrung aus dem Studium griff sie zudem das Gefühl vieler Prüflinge in den Klausuren auf, dass der abgefragte Stoff gar nicht unbedingt derjenige gewesen sei, den Prüfende und Prüflinge gemeinsam in den Vorlesungen behandelt hätten. Im Anschluss betonte Gleser die immense gesellschaftliche Relevanz des erlangten Wissens. Die Absolvierenden hätten die essenziellen Fähigkeiten erlernt, komplexe Sachverhalte zu analysieren, zu bewerten, die Zukunft aktiv zu gestalten und dabei vor allem eines gelernt: das Lernen selbst.

Prof. Dr. Christiane Ness, Vorsitzende des Prüfungsausschusses, gratulierte zunächst den Studierenden und ihren Familien, bevor sie das Wort für eine Würdigung übergab. Anlässlich des anstehenden Abschieds des scheidenden Dekans zum 1. September bat sie den ehemaligen Professor Dr. Rainer Wulfes auf die Bühne. Wulfes und Braatz hatten den Fachbereich 18 Jahre lang gemeinsam als Prodekan und Dekan geleitet. Ness beschrieb dieses enge Gespann treffend als hervorragend funktionierende „Arbeitsehe“. Wulfes würdigte in seiner kurzen Rede vor allem Braatz' unermüdlichen Einsatz für den Fachbereich. Dessen Ziel sei es immer gewesen, nah an den Studierenden zu sein, getreu dem Prinzip der stets offenen Tür. Braatz sei durch und durch ein Familienmensch, was maßgeblich zu dem familiären Miteinander am gesamten Fachbereich beigetragen habe. Laut Wulfes zeichnete sich Braatz vor allem durch schnelle, effektive Kommunikation – bevorzugt klassisch über das Telefon – aus.

Diese familiäre Verbundenheit zeigte sich im Anschluss einmal mehr bei der feierlichen Zeugnisübergabe durch Prof. Ness und Dekan Braatz. Moderiert wurde dieser Teil von Prof. Katrin Mahlkow-Nerge, die es sich nicht nehmen ließ, für jeden einzelnen der 55 Studierenden eine persönliche Anekdote aus dem Privatleben oder dem Studienalltag zu erzählen. Diese individuelle Wertschätzung sorgte für manchen Lacher im Publikum und unterstrich die besondere Atmosphäre, die den Standort Osterrönfeld ausmacht.

Dass das Studium mehr war als das bloße Ansammeln von ECTS-Punkten, bewiesen die Ansprachen der Studierenden. Merle Beckmann und Arick Summa berichteten für die Bachelor-Absolvierenden lebhaft vom ständigen Spagat zwischen akademischen Herausforderungen und unvermeidlichen Studentenfeiern, wie etwa den legendären Abenden in Kühls Gasthof. Für besondere Lacher sorgte ihre Schilderung der intensiven „Aufklärungsarbeit“, die sie während des traditionellen Bierkastenlaufs bei Passanten leisten mussten. Die Master-Absolvierenden Lukas-Bandiks Ahrens und Florian Schattauer fassten ihre Studienzeit unter dem passenden Podcast-Motto „Zwischen Hörsaal & Hektar“ zusammen. Sie ließen besondere Momente Revue passieren, darunter tiefschürfende Abschlussgespräche im Bayernzelt auf der Kieler Woche, ihre nun extrem ausgeprägte Stressresistenz und die bis heute ungebrochenen Streckenrekorde bei den Pendeleien zwischen Kiel und Osterrönfeld.

Bevor es zum gemütlichen Teil überging, trat Dr. Tobias Nieschulze ans Mikrofon. Als Vorsitzender des Ehemaligennetzwerks, das nach einer Namensänderung nun Alumni-Vereinigung Agrarwirtschaft (AVA) heißt, warb er unter dem Motto „Neuer Name – gleiche Idee“ für die Mitgliedschaft. Er lobte die Ausdauer und das Durchhaltevermögen der Absolventen als zentrale Faktoren auf dem Weg zum Erfolg. Sein besonderer Dank galt dabei den Familien, Partnern und Freunden sowie dem gesamten Fachbereich, die dieses Fundament erst ermöglicht hätten. Beim abschließenden Ausklang der Veranstaltung im Foyer stießen Professores, Familien und die neuen Agrar-Profis bei Sekt, Saft und Selter auf den erfolgreichen Abschluss an. In angeregten Gesprächen wurden noch lange gemeinsame Erfahrungen ausgetauscht – ein würdiger Abschluss für eine ereignisreiche Studienzeit.

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