Eine Gruppe Menschen© J. Schwarze
Der Fachbereich Agrarwirtschaft der HAW Kiel verabschiedete feierlich seine Absolventinnen und Absolventen.

Fachbereich Agrarwirtschaft verabschiedet mehr als 50 Agrar-Profis

von Joachim Kläschen

Am Freitag, 13. Februar 2026, war es wieder soweit: Der Fachbereich Agrarwirtschaft der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) Kiel verabschiedete in Osterrönfeld seine Absolventinnen und Absolventen des Wintersemesters 2025/26 im Rahmen einer feierlichen Zeugnisübergabe. Erstmals fand die feierliche „Winterernte“ im neuen Schulungszentrum der Deula statt. In diesem modernen Ambiente begrüßte Dekan Prof. Dr. Martin Braatz die 45 Bachelor- und 8 Master-Absolventinnen und -Absolventen sowie deren Familien, Freunde und Ehrengäste.

In seiner Eröffnungsrede zog Braatz eine Bilanz über die „eingebrachte Ernte“. Diese falle sowohl quantitativ als auch qualitativ erfreulich aus. Während die acht Master-Absolvierenden ihr Studium alle in der Regelstudienzeit von exakt 3 Semestern und einer hervorragenden Durchschnittsnote von 1,7 absolviert hatten, ließen es die Bachelor-Studierenden etwas „entspannter“ angehen. Augenzwinkernd kommentierte der Dekan die durchschnittliche Studiendauer von 8,4 Semestern als Beweis für besonders „gründliches Studieren“, das dennoch in einem guten Notenschnitt von 2,47 mündete.

Braatz nutzte die Aufmerksamkeit jedoch nicht nur für Statistiken, sondern auch für freundliche Worte zum guten Klima am Fachbereich. Das von der örtlichen Gemeindevertretung in Osterrönfeld hin und wieder Beschwerden über „zu gute Stimmung“ und damit einhergehende Lautstärke außerhalb der Studienzeiten zu vernehmen seien, wertete er nicht als Kritik, sondern als Indikator für ein lebendiges Studierendenleben. Er dankte zudem ausdrücklich dem Verwaltungsteam und den Mitarbeitenden, die im vergangenen Semester trotz vielfältiger Herausforderungen den Betrieb reibungslos am Laufen gehalten hatten.

Zwei Menschen an einem Pult©J. Schwarze
Jonas Voß und Paula Wilking hielten die Rede für die Master-Absolventinnen und -Absolventen.

Ein historisches Detail hob der Präsident der Hochschule, Prof. Dr. Björn Christensen, hervor: Es ist der erste Jahrgang, der offiziell unter dem neuen Label „HAW Kiel“ verabschiedet wird. Christensen betonte in seinem Grußwort, wie gern er den Weg von Kiel nach Osterrönfeld antrete, da die Atmosphäre am Fachbereich einzigartig sei. Die Umbenennung in „Hochschule für Angewandte Wissenschaften“ unterstreiche genau das, was diesen Fachbereich auszeichne: eine praxisnahe Ausbildung durch Dozentinnen und Dozenten, die wissen, wovon sie sprechen. Trotz des Strukturwandels in der Landwirtschaft seien die Zahlen der Studierenden im Agrarbereich stabil – für Christensen ein Zeichen für die Attraktivität des Standorts.

Hoher Besuch aus der Landespolitik unterstrich die Relevanz des Termins. Die Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz des Landes Schleswig-Holsteins, Cornelia Schmachtenberg, richtete sich mit einem appellierenden Grußwort an den Nachwuchs. Sie nahm den Ball des Dekans zur „guten nächtlichen Stimmung“ auf und merkte an, dass dies zur Sozialkompetenz gehöre. Inhaltlich wurde sie jedoch ernst: In einer Zeit zunehmender Unsicherheiten brauchten Politik und Branche frische Köpfe für neue Denkansätze. Die Absolvierenden hätten im Studium nicht nur Fachwissen erworben, sondern auch gelernt, sich selbst zu organisieren, Entscheidungen zu treffen und über sich hinauszuwachsen. Mit ihrem Abschluss hätten sie sich für eine echte „Zukunftsbranche – der schönsten Branche überhaupt“ qualifiziert. „Seien Sie stolz auf sich, auf Ihren akademischen Erfolg und zahllose Tage harte Arbeit“, appellierte Schmachtenberg an die Anwesenden. Sie forderte die Absolvierenden auf, als „Fans der Landwirtschaft“ ihr positives Bild bewusst nach außen zu tragen.

Dass das Studium mehr war als das Auswendiglernen von Fakten, betonte Prof. Dr. Christiane Ness, Vorsitzende des Prüfungsausschusses. In ihrer Rede machte sie deutlich, dass fachliche Kompetenz allein heute nicht mehr ausreiche. Angesichts globaler Veränderungen und politischer Debatten seien vielmehr Einordnung, Urteilskraft und vor allem die Fähigkeit gefragt, „mit Unsicherheit professionell umzugehen“. Akademische Bildung setze genau hier an, um auch in komplexen Lagen Handlungsfähigkeit zu vermitteln.

Eine Frau an einem Pult©J. Schwarze
Cornelia Schmachtenberg, Ministerin für Landwirtschaft, ländliche Räume, Europa und Verbraucherschutz, forderte die „Fans der Landwirtschaft“ auf, ihr positives Bild nach außen zu tragen.

Der Höhepunkt der Veranstaltung war traditionell die Zeugnisübergabe. Moderiert von Prof. Dr. Katrin Mahlkow-Nerge, wurde dieser formale Akt zu einer persönlichen Reise durch die Studienzeit. Mahlkow-Nerge gelang es, für jeden einzelnen der 53 Absolvierenden eine persönliche Anekdote – sei es aus dem Hörsaal oder dem Privatleben – einzuflechten. Diese humorvolle und herzliche Art sorgte für Heiterkeit im Saal und unterstrich eindrucksvoll den familiären Charakter des Fachbereichs, den zuvor bereits der Präsident hervorgehoben hatte.

Wie das Studium aus Sicht der Studierenden aussah, schilderten Tessa Nafziger und Robert Heilborn für die Bachelor-Riege. Sie resümierten, dass sie nun „Universalgelehrte in Gummistiefeln“ seien. Besonders in Erinnerung blieb ihnen ein Zitat des Dekans zu Studienbeginn: „Ziel sei es, auf Stammtisch-Niveau bei Agrar-Themen mitreden zu können“. Unter dem Gelächter des Auditoriums vergaben die beiden dafür die Note „Sehr gut“ – man könne nun fundiert und wissenschaftlich am Stammtisch argumentieren. Ein sympathischer Moment der Selbstironie war der öffentliche Dank an Frau Albrodt aus der Verwaltung, verbunden mit einer Entschuldigung für all die E-Mails, die sich durch bloßes Lesen der Info-Mails erübrigt hätten.

Für die Master- Absolvierenden zogen Paula Wilking und Jonas Voß einen sportlichen Vergleich. Sie beschrieben ihren Jahrgang als „MSC Rasenschweine“ – eine Mannschaft, die nur durch Teamgeist funktioniere. Die Dozierenden als Trainer, die Familien als Mental-Coaches und die Kommilitoninnen und Kommilitonen als das Team auf dem Platz. Ihr Studium sei geprägt gewesen von hohem Anspruch, aber auch von Momenten wie dem „schnellen Hellen in Kühls Gasthof“, das den „Wir ziehen das jetzt durch“-Spirit erst möglich gemacht habe.

Zwei Menschen an einem Pult©J. Schwarze
Robert Heilborn und Tessa Nafziger hielten die Bachelor-Rede.

Bevor es zum gemütlichen Ausklang ging, hieß Rixa Kleinschmit, stellvertretende Vorsitzende der Vereinigung der Agraringenieure, die Absolvierenden im Netzwerk der Ehemaligen willkommen. Sie verwies auf die Vielfalt der Themen in den Abschlussarbeiten und ermunterte die Jung-Ingenieure, die Kontakte der „O-felder Agrar-Familie“ für ihren weiteren Weg zu nutzen.

Bei Sekt, Saft und Selters klang der Nachmittag aus, an dem noch lange über vergangene Exkursionen und zukünftige Jobpläne diskutiert wurde, bevor sich die Festgesellschaft für den abendlichen Absolventenball bereit machte.

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