zwei Personen in einer Gesprächssituation am Tisch, die Gesichter sieht man nicht© W. Tita
Viele Studierende brauchen aktuell Geduld, bis sie in ein Vorstellungsgespräch eingeladen werden.

Abschluss in der Tasche - und nun? Der Kampf um den ersten Job

von Celina Först

Sech Monate Jobsuche, 75 Bewerbungen und nur eine Zusage. Der Kieler Student Max (Name wurde von der Redaktion geändert) steht exemplarisch für eine Realität, die derzeit viele Hochschulabsolvent*innen erleben. Max berichtet von seinen persönlichen Erfahrungen im Bewerbungsprozess und gibt Tipps.

Aktuell steht der 26-Jährige kurz vor der Abgabe seiner Masterarbeit im Studiengang Digital Business Management und blickt auf eine lange Zeit der Jobsuche zurück. Bereits nach seinem Bachelorabschluss in BWL begann Max, sich auf erste Stellen zu bewerben. Der Erfolg blieb jedoch aus. „Ich habe irgendwann aufgegeben und erstmal mit dem Master angefangen“, erzählt er. Im Sommer 2025 startete er einen neuen Anlauf.

Insgesamt verschickte Max über 75 Bewerbungen, wurde jedoch nur in rund zehn Prozent der Fälle zu einem Gespräch eingeladen. Dabei bringt er durchaus Praxiserfahrung mit: Neben seinem Studium absolvierte er Praktika und arbeitete als Werkstudent. Das würde jedoch nicht mehr für den Einstieg in Juniorstellen ausreichen. Dabei hatte er durchaus andere Erwartungen an den Berufseinstieg. „Mit einem guten Schnitt im Master denkt man erstmal: Jedes Unternehmen will mich haben. Aber so ist es nicht“, sagt er. Stattdessen würden viele Unternehmen lieber auf Bewerber*innen mit langjähriger Berufserfahrung setzen.

Diese Erfahrungen machte Max nicht allein. Auch in seinem Umfeld zeigt sich ein ähnliches Bild: Ein Arbeitskollege verschickte über 100 Bewerbungen, ehe er dann die erste Zusage erhielt. Ein anderer Kommilitone blieb nach einigen Absagen letztlich bei seiner Werkstudentenstelle und wurde übernommen, obwohl er eigentlich das Unternehmen wechseln wollte. Werkstudentenjobs seien heutzutage eine wichtige Eintrittskarte in die Arbeitswelt, wenn man sich eine langfristige Perspektive im Unternehmen vorstellen kann, so Max.

Max’ Situation spiegelt die aktuelle Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt wider. Zwar bilden Akademiker*innen laut Bundesagentur für Arbeit (BA) in 2025 mit 3,3 Prozent die Gruppe mit der niedrigsten qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquote, dennoch ist die Zahl der arbeitslosen Personen mit Hochschulabschluss in den vergangenen zehn Jahren insgesamt um rund 65 Prozent gestiegen. Als Hauptgrund nennt die BA eine schwächere wirtschaftliche Entwicklung in vielen Unternehmen, wodurch die Nachfrage nach Arbeitskräften insgesamt spürbar zurückgegangen sei.

Besonders kritisiert Max den Umgang vieler Unternehmen mit Absagen. Antworten Arbeitgeber überhaupt auf Bewerbungen, seien es meist nur Standardfloskeln. Konkrete Gründe für eine Absage nennen Unternehmen in der Regel nicht, da sie befürchten, von Bewerber*innen wegen möglicher Diskriminierung rechtlich belangt zu werden. „Man weiß gar nicht, woran es gelegen hat - an den Gehaltsvorstellungen, an fehlenden Kompetenzen oder an etwas ganz anderem.“ Wirklich hilfreiches Feedback habe er von keinem Unternehmen erhalten.

Max bewarb sich sogar auf Stellen, für die er mit einem Masterabschluss überqualifiziert war. Dennoch wurde er nicht eingeladen: „Ich habe es nicht verstanden, warum ich nicht einmal zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde. Man hätte ja ins Gespräch kommen können. Ich war wirklich verzweifelt“.

Im Dezember 2025 erhielt Max schließlich seine erste und einzige Zusage. Seit Februar absolviert er ein Traineeship. Die Stelle ist unbefristet, nach dem zweijährigen Traineeprogramm wird er definitiv übernommen. Für den Job pendelt er nun zweimal pro Woche jeweils drei Stunden am Tag. „Das nimmt man dann in Kauf“, sagt er. Den Rest der Woche arbeitet er im Homeoffice.

Rückblickend zieht Max ein klares Fazit: Flexibilität ist entscheidend. „Man sollte seinen Suchradius erweitern und auch kleinere Städte oder langes Pendeln über mehrere Jahre in Betracht ziehen.“ Auch bei den Stellen selbst empfiehlt er Offenheit: „Ich habe mich im Bereich Controlling, HR, Projektmanagement beworben, also ganz unterschiedliche Richtungen. Man darf sich nicht zu sehr festlegen.“

Sein wichtigster Tipp für andere Absolvent*innen: dranbleiben und Chancen nutzen, auch wenn sie nicht perfekt erscheinen. „Man sollte sich auch auf Stellen bewerben, die vielleicht nicht sofort ideal wirken. Oft merkt man erst im Gespräch, ob es doch passt.“

 

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