Ein unscheinbarer Donnerstagabend in den Straßen der irischen Stadt Cork: Eine belebte Traube Menschen singt und tanzt gemeinsam vor einem Pub, sodass Echos durch die Straßen hallen. In dieser Gruppe tanzen auch Studierende aus Kiel: einige müde, andere mit erstem leichten Sonnenbrand. Doch alle haben eines gemeinsam: Sie wollen nicht, dass eine wundervolle Woche sich dem Ende zuneigt. Was für einige ursprünglich nur der schnelle Weg zu fünf ECTS oder ein günstiger Urlaub waren, wurde schnell mehr als nur eine gewöhnliche Exkursion des Zentrums für Sprachen und interkulturelle Kompetenz (ZSIK) der HAW Kiel.
Im Sommersemester 2026 boten Elena Willson und Kirk Wilson aus dem ZISK bereits die dritte Exkursion in ein englischsprachiges Land an. Die einwöchige Reise fand während der Interdisziplinären Wochen statt und bildete das Herz des Kurses Intercultural Discoveries, an dem 24 Studierende teilnahmen. Elena Willson erzählt: „Wir verfolgen mit diesem Kursangebot das Ziel, dass Studierende ihre interkulturelle Kompetenz stärken. Wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, ihre Sprachkenntnisse auch außerhalb des Hochschul-Kontextes anzuwenden.“

Die Teilnahme an der 500-€-teuren Exkursion stand Studierenden aller Fachbereiche offen, lediglich ein Sprachlevel von mindestens C1 in Englisch war Voraussetzung. Nach zwei vorbereitenden Wochenendseminaren ging es für unsere Gruppe auf die grüne Insel. Statt wie geplant per Direktflug ging es jedoch zunächst mit dem Flieger nach Dublin und mit dem Zug nach Cork. Auch wenn diese Veränderung zunächst wie eine große Herausforderung klang, wurde sie zügig und transparent durch Kirk und Elena kommuniziert. Die Studierenden waren mehrheitlich sogar eher froh über die Änderung, da wir auf diesem Wege noch mehr vom Land erkunden konnten, als ohnehin schon geplant.
Auch wenn wir in den vorbereitenden Seminaren einen Vorgeschmack darauf bekamen, was wir in Irland erwarten konnten, wurde dem im Kurs Vermitteltem durch die Exkursion richtiges Leben eingehaucht.

In der zweitgrößten Stadt der Republik Irland befindet sich die Munster Technological University. Die Partnerhochschule der HAW Kiel hat etwa 18.000 eingeschriebene Studierende.
Unsere Gruppe wurde sehr herzlich zu einem eintägigen Besuch empfangen. Wir erhielten eine Campustour, bei der uns einige Unterschiede zum Studieren in Deutschland auffielen. „Mir wurde bewusster, dass ein Studium in Irland viel verschulter ist und Eigenständigkeit eher nur in Deutschland gelebt wird“, beobachtet die Studentin Melina Bouman. Darüber hinaus durften wir sogar einen Deutschkurs besuchen und mit teilnehmenden Studierenden ins Gespräch kommen. Die beiden Studierenden David Schack und Selina Kowski rundeten den Besuch an der MTU durch eine Präsentation über die HAW Kiel ab. Durch interessierte Nachfragen zu unserem Studienalltag in Kiel und anschließendes gemeinsames mensen fühlten wir uns nicht nur wie einfache Besuchende. Gerade solche Begegnungen verbesserten nicht nur unser Englisch, sondern stärkten auch unser interkulturelles Verständnis.
Am selben Abend besuchten wir ein „Drink&Draw“-Event des lokalen European-Student Netzwerks (ESN). Dieses internationale Netzwerk existiert in nahezu jeder größeren europäischen Stadt und organisiert zahlreiche Events, um internationalen Studierenden einen möglichst leichten Anschluss im Gastland zu eröffnen. Bei der Abendveranstaltung trafen wir tatsächlich einige Studierende aus dem Deutschkurs wieder. Gemeinsam hatten wir noch bis spät in die Nacht Karten gespielt und gelacht, bis wir keine Luft mehr bekamen. Momente wie diese durften wir in Cork glücklicherweise jeden Abend erleben, sodass sich die Stadt nach wenigen Tagen wie ein zweites Zuhause anfühlte. Viele von uns halten den Kontakt mit den neuen Freundschaften auch über die Exkursion hinaus aufrecht.

Neben dem lebhaften Austausch mit Studierenden der Partnerhochschule gab es auch ein kulturelles Rahmenprogramm. Unter den schönsten Sonnenstrahlen, die ein irischer Frühling bieten konnte, erkundeten wir mit einem lokalen Guide die Innenstadt Corks. Dabei erhielten wir viel Hintergrundwissen über historische Ereignisse und Bauten der Stadt. Krönender Abschluss bildete ein regionales Drei-Gänge Menü, währenddessen uns eine Schauspieltruppe auf humoristische Weise High- und Lowlights aus der lokalen Geschichte darbot.
Neben Cork besuchten wir auch weitere Orte, wie die kleine malerische Hafenstadt Cobh, welche etwa eine halbe Stunde mit dem Zug entfernt liegt. Dort legte die Titanic ein letztes Mal an, bevor sie im April 1912 im Atlantik einen Eisberg rammte und sank. Daher befindet sich dort auch ein Titanic-Museum, welches wir uns natürlich nicht entgehen ließen. An diesem Tag wurde außerdem klar, dass das irische Wetter seinem Ruf gerecht wird: Es regnete so stark, dass sogar meine Regenjacke leicht durchweichte.

An allen weiteren Tagen war das Wetter allerdings ungewöhnlicherweise mehr als ausgezeichnet. Das kam uns bei unserem Tagesausflug auf dem Ring of Kerry sehr zugute. Während der eintägigen Busreise besuchten wir mehrere Orte im südwestlichen Irland und besichtigten schönste Küsten, Klippen, bunte Kleinstädte oder sogar einen Wasserfall. Unsere Mittagspause verbrachten wir mit einem Eis in der Hand, während wir auf den weiten Atlantik blickten. Kein Film hätte diese Szene besser einfangen können.
Das eigentlich Schönste an der Exkursion waren allerdings nicht die Landschaft, das Wetter oder die Sehenswürdigkeiten. Es war viel mehr das Gefühl von Unbeschwertheit, welches wir mit ganz neuen Menschen teilen durften. Viele Teilnehmende waren, wie ich, die Einzigen aus ihrem Studiengang oder hatten geringe Erwartungen an das Kursangebot. Durch die vorbereitenden Seminare und schlussendlich auch durch die eigentliche Reise lernten wir uns jedoch in wenigen Tagen gut kennen und es formten sich einzigartige Freundschaften. „Wir funktionierten wie ein großes Team und es kam nicht zu irgendeiner Grüppchenbildung“, beschreibt Student Merten Medrikat die Stimmung. Dieser Wahrnehmung schlossen sich die beiden Betreuer an. Kirk Wilson bezeichnete die Exkursion als „vollen Erfolg“ und beteuerte, dass dies nicht zuletzt an der angenehmen Gruppendynamik lag.

Neben Koffern voller Souvenirs traten wir mit Köpfen voller gemeinsamer Erinnerungen die Rückreise an. Diese seltene Gelegenheit, welche das ZISK der HAW Kiel seinen Studierenden durch solche Exkursionen bietet, wurde von anderen Menschen, welche wir auf der Reise getroffen haben, neidisch beäugt. Dabei sei natürlich im Besonderen hervorgehoben, dass außergewöhnliche Kursangebote wie diese auf das besondere Engagement des ZSIK-Teams zurückzuführen sind. Es bleibt zu hoffen, dass zukünftig noch viele andere Studierende an derartigen Angeboten Spaß haben und ihren kulturellen Horizon erweitern können. Die Teilnehmenden der Reise im Sommersemester 2026 empfehlen eine Teilnahme jedenfalls ausnahmslos weiter!

