Der Hörsaal als Baustelle. © J. Reimers
Pünktlich zum Semesterstart soll hier ein moderner Hörsaal enstehen.

Vom Hörsaal zur Großbaustelle – und zurück

von Johna Marie Reimers

Staub, offene Kabel und Artefakte aus längst vergangener Zeit: Auf einer Baustelle, mitten auf dem Campus entsteht in den kommenden sechs Wochen einer der modernsten Hörsäle der HAW Kiel. Hörsaal 2 im Gebäude C08 wird derzeit umfassend modernisiert und soll pünktlich zum Semesterstart wieder öffnen.

Uwe Bothe mit einem Akkuschrauber in der Hand.©J. Reimers
Uwe Bothe leitet die Bau- und Liegenschaftsabteilung der HAW Kiel.

„Mit dem Umbau schaffen wir deutlich mehr Komfort und verbauen modernste Technik“, sagt Uwe Bothe, Leiter der Bau- und Liegenschaftsabteilung der Hochschule. Tatsächlich bleibt kaum etwas erhalten: „Bis auf die Beleuchtung haben wir alles rausgeschmissen“, erzählt er. „Der fast 30 Jahre alte Hörsaal entsprach nicht mehr den modernen Standards.“ Das soll sich nun ändern: Ein neuer Laserbeamer sorgt künftig für hochauflösende Bilder, gleichzeitig wird die gesamte Audioanlage erneuert. „Da kann man jeden Ton genau hören“, erklärt Bothe. Gerade für Lehrveranstaltungen wie Multi Media Production sei das ein deutlicher Gewinn. Gesteuert wird die Technik über ein höhenverstellbares Vortragspult mit integriertem Touchdisplay. Dozierende können dort Präsentationen bedienen, direkt auf Folien schreiben oder Skizzen anfertigen.

Bei der Barrierefreiheit flossen Erfahrungen aus den vergangenen Jahren ein. Menschen im Rollstuhl erhalten künftig einen Platz, der in die Sitzreihe integriert ist. „Uns ist wichtig, dass Rollstuhlfahrer*innen nicht separiert werden“, betont Bothe. Ergänzt wird das Konzept durch ein mobiles Hörsystem, das Vorträge direkt auf Hörgeräte überträgt.

Wer gut Lernen möchte, ist dabei aber nicht nur auf moderne Technik angewiesen – sondern auch auf den entsprechenden Komfort. „Die alten Sitze waren hart und 2cm zu niedrig“, erklärt Bothe. Deshalb werden nun gepolsterte Sitze mit ergonomisch geformter Rückenlehne eingebaut. Auch die Tische verändern sich: Sie sind künftig weniger stark geneigt und orientieren sich damit an der heutigen Arbeitsweise mit Laptop statt Collegeblock. Damit die digitalen Geräte auch die gesamte Vorlesung überleben, sind alle Plätze mit Steckdosen ausgestattet.

Bereits im vergangenen Jahr wurde Hörsaal 1 im selben Gebäude modernisiert. „Wir haben eine Menge positives Feedback erhalten“, erzählt Bothe und ergänzt: „Trotzdem gab es Learnings.“ So erzeugt die neue Technik mehr Wärme als zunächst angenommen. Deshalb erhält Hörsaal 2 zusätzliche Lüftungsschlitze. „Die Erfahrungen fließen direkt in den zweiten Umbau ein“, sagt Bothe. „Und natürlich rüsten wir im Hörsaal 1 entsprechend nach.“

Eine alter Jägermeisterflasche.©J. Reimers
Die Flasche scheint ähnlich alt zu sein, wie der 1998 eröffnete Hörsaal.

Bei einem Rundgang über die Baustelle machte Bothe eine kuriose Entdeckung: Unter den alten Sitzreihen lagen zwei Jägermeisterflaschen. „Ein Ablaufdatum gibt es zwar nicht“, erzählt er schmunzelnd. „Dem Design nach zu urteilen, dürften sie aber fast so alt sein wie das Gebäude selbst.“ Tatsächlich stammt das kleine Hörsaalgebäude aus den Jahren 1997/98. Fast drei Jahrzehnte später war eine umfassende Modernisierung längst überfällig.

Rund 500.000 Euro investiert die HAW Kiel aus eigenen Mitteln in den Umbau des Hörsaals. „Darin stecken allerdings auch rund 30 Prozent Planungs- und Bauleitungskosten“, betont Bothe. Für ihn ist die Investition dennoch gut angelegt: „Damit schaffen wir Modernität auf allen Ebenen – bei Komfort, Technik und Funktionalität.“ Ziel sei es, einen Hörsaal zu schaffen, der Studierenden und Lehrenden für viele Jahre optimale Bedingungen auf dem Campus bietet.

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