Im Rahmen seiner Master-Thesis hat Nico Berner Kinderschutz im Sport erforscht. Im Interview mit der Campusredaktion erzählt er, wie daraus ein reales Projekt geworden ist.
Campusredaktion: Herr Berner, welche Studiengänge haben Sie an der HAW Kiel absolviert?
Nico Berner: Zunächst habe ich an der HAW Kiel Soziale Arbeit im Bachelor studiert. Im Anschluss den Master-Studiengang Leitung und Innovation in der Sozialen Arbeit und Kindheitspädagogik. Durch den Master wollte ich mein Vorwissen erweitern und lernen, wie man soziale Projekte und Organisationen aktiv gestalten und weiterentwickeln kann. Besonders gut fand ich die Verbindung von Theorie und Praxis.
Campusredaktion: In Ihrer Master-Thesis beschäftigen Sie sich mit Kinderschutz im Sport. Wie sind sie auf das Thema gekommen?
Nico Berner: Ich bin im professionellen Leistungssport pädagogisch tätig. Außerdem habe ich selbst als Kind bis zum Jugendalter im Fußball auf Breitensportebene gespielt und kenne den Vereinssport daher auch aus eigener Erfahrung. Sportvereine sind für mich wichtige Orte, an denen Kinder Gemeinschaft erleben, Freundschaften schließen und sich entwickeln können. Daher ist es wichtig, dass sie sich in den Vereinen sicher und gut aufgehoben fühlen. Bei meiner Tätigkeit bin ich auch für Kinderschutz und Präventionsangebote verantwortlich und habe den Eindruck gewonnen, dass gerade der Breitensport bei Kinderschutz und Präventionsangeboten Unterstützung brauchen kann. Zwar engagieren sich Menschen ehrenamtlich in Vereinen mit viel Herzblut, aber häufig besitzen sie nicht die fachlichen Ressourcen, um eigenständig Kinderschutzkonzepte zu entwickeln und umzusetzen.
Campusredaktion: Was genau war das Thema Ihrer Masterarbeit?
Nico Berner: In meiner Masterarbeit habe ich mich zunächst mit aktuellen Forschungserkenntnissen zu Gewalt im organisierten Sport beschäftigt. Darauf aufbauend habe ich diese wissenschaftlichen Erkenntnisse mit den Anforderungen der Vereinspraxis verknüpft. So habe ich einen Ansatz entwickelt, der Sportvereine dabei unterstützen kann, Kinderschutz nachhaltig in ihrem Alltag zu verankern, damit Kinderschutz selbstverständlich zum Vereinsalltag gehört.
Campusredaktion: Wie hat sich Ihre Arbeit zu einem realen Projekt entwickelt?
Nico Berner: Das war ein Prozess, der schrittweise abgelaufen ist. Parallel zum Schreiben der Masterarbeit habe ich mit zwei Kollegen an einer Struktur für ein Kinderschutzprojekt im Sport gearbeitet. So ist das Projekt „KiS – Kinderschutz im Sportverein“ entstanden, das die Ergebnisse aus meiner Forschung in die Praxis bringen soll. In einem Team beraten wir bei KiS Vereine zu konkreten Themen des Kinderschutzes und führen Schulungen mit ihren Mitarbeitenden durch.
Campusredaktion: Wie ist das Projektteam von KiS aufgestellt?
Nico Berner: Das KiS-Team besteht neben mir aus meinen Kollegen Torben Hartjen und Max Demmer. Wir vereinen unterschiedliche fachliche und praktische Erfahrungen aus der Sozialen Arbeit, dem Lehramt und dem Kinderschutz sowie aus dem Breiten- und Leistungssport. Dadurch können wir verschiedene Perspektiven zusammenbringen und unsere fachlichen Kenntnisse gezielt mit den Bedürfnissen und Herausforderungen der Sportvereine verbinden.
Campusredaktion: Wie wird das KiS-Angebot angenommen und gab es Rückmeldungen für das Team?
Nico Berner: Bei unseren Schulungenarbeiten wir mit unterschiedlichen Menschen aus verschiedenen Sportarten zusammen – beispielsweise Leichtathletik, Fußball, Handball, Volleyball und Cheerleading. Perspektivisch möchten wir auch die Zusammenarbeit mit Sportverbänden weiter ausbauen, um Kinderschutz nachhaltig im Sport zu stärken. Die Nachfrage bestätigt uns darin, dass der Bedarf da ist. Die Rückmeldungen zeigen, dass wir praxisnahe Impulse geben und konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzeigen können. Allerdings berichten uns Vereine auch, dass es ihnen schwerfällt, Fördermittel für die Umsetzung von Kinderschutzmaßnahmen zu finden. Deshalb mein Appell an die Landes- und Bundesverbände: Kinderschutz darf nicht nur gefordert werden – es müssen auch die notwendigen Ressourcen bereitgestellt werden. Nur so können Projekte wie KiS langfristig wirken und möglichst viele Vereine erreichen.
Campusredaktion: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Berner.
Weitere Informationen zum Projekt KiS und die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme finden Interessierte auf der Website kinderschutz-im-sportverein.de.

