Die Eindrücke sind noch ganz frisch: Erst vor wenigen Tagen ist Christian Ostertag aus Mexiko zurückgekehrt und vermisst bereits die Sonne, die Atmosphäre und das mexikanische Essen. Was zunächst wie ein Urlaub klingt, war tatsächlich ein Studienprogramm: die sogenannte Winterschool in Mexiko, gewissermaßen ein Bildungsurlaub mit kulturellem Austausch. Vormittags standen überwiegend Vorlesungen und Workshops auf dem Programm, nachmittags Aktivitäten und Ausflüge.
Organisiert wird das Programm vom Deutschen Hochschulkonsortium für internationale Kooperationen (DHIK), einem Zusammenschluss von 37 Hochschulen aus ganz Deutschland. In diesem Jahr fand die Winterschool vom 16. Februar bis zum 1. März statt. Insgesamt 90 Studierende und drei Professoren aus ganz Deutschland reisten für das Austauschprogramm an die Universität Tecnológico de Monterrey in Mexiko.

Von der HAW Kiel nahmen Prof. Dr. Tobias Specker, Prof. Dr. Rainer Geisler sowie sechs Studierende teil. Prof. Dr. Tobias Specker engagiert sich seit rund 20 Jahren für internationale Projekte an der HAW Kiel und ist unter anderem auch für das Auslandssemester und die Summerschool in Shanghai verantwortlich. Ein Ziel der Winterschool ist es, Studierende für ein Auslandssemester in Mexiko zu begeistern. „Immer weniger Studierende gehen heutzutage ins Ausland. Ein niedrigschwelliges Angebot, um Studierende für einen Auslandsaufenthalt zu mobilisieren, ist eine Winter- oder Summerschool“, erklärt Prof. Dr. Specker.
Beeindruckender Campus
Besonders beeindruckt zeigte sich der Online-BWL-Student Ostertag vom Campus der Universität, die zu den renommiertesten Hochschulen Lateinamerikas zählt. „Man hätte die ganze Zeit auf dem Campus verbringen können, ohne dass es langweilig geworden wäre“, berichtet er. Von Schwimmen über Padel-Tennis bis hin zu Tanzkursen und Boxtraining bietet die Universität ein vielfältiges Freizeitangebot. Für Ostertag erinnerte das Campusleben stark an amerikanische Collegefilme: „Es war wie eine Kleinstadt.“
Eine klassische Mensa gibt es auf dem Campus nicht. Stattdessen bieten zahlreiche Foodtrucks, kleine Restaurants und Läden eine große Auswahl an Speisen, wie etwa Burger, Pizza, gesunde Gerichte und natürlich eine große Auswahl an mexikanischen Spezialitäten. Das Austauschprogramm enthielt das tägliche Frühstück sowie eine weitere Mahlzeit pro Tag auf dem Campus. Untergebracht waren alle Teilnehmenden in einem Hotel in der Nähe der Universität.
Auch außerhalb des Campus sammelte Ostertag viele Eindrücke. Besonders in der Altstadt von Querétaro lernte er die mexikanische Kultur kennen. In kleinen Gassen entdeckte er ein authentisches Restaurant, das eher wie die heimische Küche der Betreiber wirkte. Dort probierte er erstmals die berühmten Birria-Tacos und kam schnell mit Einheimischen ins Gespräch. „Die Menschen dort sind unglaublich offen“, erzählt er.
Verschiedene Module wählbar

Auch akademisch erwartete die Studierenden ein abwechslungsreiches Programm mit verschiedenen Wahlmodulen. In diesem Jahr fanden Vorlesungen unter anderem zu den Themen Sustainable Finance, KI oder Wirtschaftsethik statt. Zum Ende des Programms legten die Studierenden Prüfungen ab und hielten Präsentationen über verschiedene Aspekte Mexikos. Die erbrachten Leistungen werden an den Heimathochschulen angerechnet. Die meisten Veranstaltungen wurden von Lehrenden aus Deutschland geleitet. „Die Studierenden sind schon gut beschäftigt. Sie haben aber auch genügend Zeit, andere Dinge zu machen“, sagt Prof. Dr. Specker. Wie etwa, das Land näher kennenzulernen. So unternahm die Gruppe unter anderem einen Ausflug zur berühmten Ruinenstadt Teotihuacán nahe Mexiko-Stadt sowie in eine weitere kleinere Stadt in der Region. „Die Organisation war top und ich habe mich keinen Moment unsicher gefühlt“, berichtet Ostertag.
Ostertag empfiehlt das Programm weiter: „Selbst wenn man danach sagt, dass ein ganzes Semester im Ausland vielleicht nichts für einen ist, sind diese zwei Wochen trotzdem unglaublich wertvoll“. Momentan ist er noch durch seine Vollzeitstelle stark eingespannt. Doch für die Zukunft schließt der Online-BWL-Student einen längeren Aufenthalt nicht aus: „Wenn ich im Master bin, überlege ich mir ernsthaft, ein Auslandssemester in Mexiko zu machen.“

Das Angebot der Winterschool steht grundsätzlich allen Studierenden der HAW Kiel offen. Ein Auslandssemester mit Doppelabschluss ist bisher nur für Studierende im Wirtschaftsingenieurwesen möglich. Da die HAW Kiel allerdings bald federführend im DHIK sein wird, soll sich dies laut Prof. Dr. Specker in Zukunft ändern. Er möchte künftig Studierenden, die Maschinenbau, Mechatronik und am Fachbereich Wirtschaft studieren, den Weg zum Auslandssemester in Mexiko ebnen.
Die nächste Winterschool ist für den Zeitraum vom 15. bis zum 28. Februar 2027 geplant.
