Eine Frau auf einer Bühne© S. Haas
Jana Möglich war eine der Stipendiatinnen des Professorinnenprogramms.

Stipendium als Karriere-Kick

von Joachim Kläschen

Während Frauen bei den Bildungsabschlüssen – bis einschließlich zur Promotion – statistisch mindestens so erfolgreich sind wie Männer, sind sie bei den Habilitationen und Professuren immer noch unterrepräsentiert. Damit geht dem Wissenschaftssystem viel Potential verloren. Um mehr Frauen in der Wissenschaft zu halten und den Anteil von Frauen in wissenschaftlichen Spitzenpositionen in Richtung Parität zu erhöhen, haben Bund und Länder 2008 das Professorinnenprogramm ins Leben gerufen. Auch die HAW Kiel nimmt daran teil und vergibt wiederholt Promotionsstipendien an Wissenschaftlerinnen in frühen Karrierephasen.

„Mit den Promotionsstipendien fördern wir die wissenschaftlichen Karrieren von Frauen aus den eigenen Reihen, was den Pool potentieller Kandidatinnen für eine HAW-Professur vergrößert“, erklärt Programm-Koordinatorin Dr. Franziska Schulz. Die Stipendien haben eine Laufzeit von bis zu drei Jahren. „Während dieser Zeit erhalten die Frauen eine monatliche Stipendienrate und Mittel für Sach- und Reisekosten“, umreißt Schulz die Zuwendungen. Zudem übernehmen die Stipendiatinnen während dieser Zeit zusätzlich vergütete Lehraufträge in Absprache mit den jeweiligen Fachbereichen. Auch Stipendien zur Förderung des Abschlusses einer Promotion mit einer maximalen Laufzeit von sechs Monaten können beantragt werden.

Jana Möglich (35) war eine der Stipendiatinnen. Nach ihrem Bachelor in Multimedia Production und dem Master in Medienkonzeption verließ sie die Hochschule und fuhr zweigleisig. Von 2017 an war sie freiberuflich als Referentin, Moderatorin und Autorin zu digitalen Medien, Gaming und E-Sport tätig. Hauptberuflich betreute sie für die Investitionsbank Schleswig-Holstein eine Spenden-Crowdfunding-Online-Plattform. Anstoß und Sprungbrett für ihre wissenschaftliche Karriere war die Ausschreibung eines Stipendiums am Fachbereich Medien im Jahr 2022.

Sie bewarb sich erfolgreich auf die Förderung im Rahmen des Professorinnenprogramms und forscht seit August 2022 als Doktorandin an der Europa-Universität Flensburg zur  staatlicher Förderung gesellschaftlicher Potenziale von E-Sport in Deutschland. „Mich hat es schon immer gereizt, mich intensiv mit meinen Herzensthemen auseinanderzusetzen. Die Promotion gibt mir genau diesen Raum – und lässt mich sowohl persönlich als auch wissenschaftlich enorm wachsen“, freut sich Möglich „Gleichzeitig ist die Promotion ein anspruchsvoller Prozess, der mich intellektuell ebenso wie in puncto Durchhaltevermögen und Disziplin immer wieder herausfordert“, zeigt die junge Wissenschaftlerin Herausforderungen auf.

Parallel bietet die Forscherin und Lehrbeauftragte an den Fachbereichen Medien sowie Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik der HAW Kiel wechselnde Lehrveranstaltungen an. Die Studierenden unterrichtet Möglich unter anderem auf Englisch in Marketing Management in Competitive Gaming/Esports, vermittelt aber auch Wissenschaftliches Arbeiten und Projektmanagement sowie Medienbildung. „Ich schätze den Austausch mit den Studierenden sehr und gehe in der Lehre gern flexibel auf ihre Interessen und Bedürfnisse ein“, sagt Möglich über ihre Lehrtätigkeit. „Der große Gestaltungsspielraum ermöglicht es mir zudem, neue Methoden auszuprobieren und kontinuierlich weiterzuentwickeln.“

Inzwischen arbeitet Möglich vorrangig im Zentrum für Kultur- und Wissenschaftskommunikation der HAW Kiel, wo sie seit Mai 2025 das digitale Weiterbildungsnetzwerk SEE-digital im Rahmen des Digital Learning Campus leitet. Seit Februar 2025 ist die vielbeschäftigte Doktorandin Mutter einer Tochter. „Auch wenn sich durch die Elternschaft meine Prioritäten verschoben haben und mein Alltag deutlich lebendiger geworden ist, verfolge ich meine Promotion weiter“, stellt die Doktorandin klar. „Das Stipendium verschaffte mir nicht nur finanziellen Freiraum, sondern auch die nötigen strukturellen Rahmenbedingungen.“

Das Stipendium hat Jana Möglich den Weg eröffnet, ihren Platz in der Wissenschaft zu finden und das Hochschulwesen aus einer neuen Perspektive kennenzulernen. Besonders die wertschätzende Begleitung durch die Gleichstellungsstelle, der Austausch in ihrer Doktorandinnengruppe und die vielfältigen Weiterbildungsangebote hebt sie als prägend hervor. „Für jede, die sich ernsthaft eine wissenschaftliche Laufbahn vorstellen kann, ist das Stipendium aus meiner Sicht eine außergewöhnlich wertvolle Chance“, resümiert die Forscherin.

Bewerbungen für ein Promotionsstipendium im Rahmen des Professorinnenprogramms 2030 sind noch bis zum 1. Februar 2026 möglich. Weitere Informationen finden sich auf www.haw-kiel.de/karriere im Abschnitt Stipendien. Ansprechpartnerin für Interessentinnen mit Fragen ist Dr. Franziska Schulz, die das Professorinnenprogramm an der HAW Kiel koordiniert und den Akademischen Karriereservice für Frauen leitet.

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