Frau kniet neben Roboter vor Kindern© E. Hansen
Prof. Kathrin Hormann diskutiert mit den Kita-Kindern über den Roboter "Pepper".

Sozialrobotik in der Kita: Was darf ein Roboter?

von Eske Marie Hansen

Roboter gewinnen im täglichen Leben unaufhaltsam an Bedeutung. Sie helfen bei der Produktsuche im Supermarkt, leisten Senior*innen im Pflegeheim Gesellschaft oder räumen unsere Teller im Restaurant ab. Für die Generation von morgen stellt sich die Frage, wie sie selbst ihre Zukunft mit diesen technischen Helfer*innen gestalten möchte. Genau hier setzt das Projekt „Sozialrobotik in der Kita“ an. Die KielRegion GmbH fördert gemeinsam mit der Landeshauptstadt Kiel das Projekt im Rahmen von Science Comes to Town mit 7.225 Euro. „Wir benötigen Technik, die der Mensch gebrauchen kann“, erklärt Professor Jens Lüssem vom Fachbereich Informatik und Elektrotechnik an der HAW Kiel, der das interdisziplinäre Projekt mit initiiert hat. „Darum wollen wir Kinder ermutigen, die technische Entwicklung kritisch zu begleiten.“ 

Fünf Kitas in Kiel und Umgebung hat Lüssem gemeinsam mit Kathrin Hormann, Professorin für Kindheitspädagogik und Sabrina Schönfeld vom Jugendcampus der HAW bislang besucht. Rund 80 Fünf- bis Sechsjährige und 20 pädagogische Fachkräfte haben den Roboter „Tiny“, der optisch an einen kleinen Panda erinnert, kennengelernt. In Kleinstgruppen erleben sie mit Unterstützung von Studierenden, wie ein Roboter funktioniert. „Die Kinder spielen auch selbst Roboter und programmieren sich gegenseitig“, erklärt Sabrina Schönfeld. „So verstehen sie spielerisch, dass Programmieren eine kleinteilige Schritt-für-Schritt-Abfolge ist.“ 

„Wir nähern uns diesem technischen Thema bewusst auch aus einer sozialen Perspektive“, sagt Kathrin Hormann. Welche Aufgaben könnte ein Roboter zum Beispiel in der Kita übernehmen und was sollte er nicht tun? Diese Fragen diskutieren die Kinder und überlegen so, wie Technik ihr Leben künftig beeinflussen könnte. Die Antworten der Kinder fielen dabei sehr vielfältig aus und reichten von praktischer Hilfe bis hin zu gemeinsamen Aktivitäten: „Er soll aufräumen oder mit ihnen spielen. Und er soll nicht ärgern oder etwas kaputt machen“, berichtet Hormann. Dabei erkennen die Kinder auch die Grenzen der Sozialrobotik, denn „verstecken spielen funktioniert nicht so gut, da Tiny keine eigenen Ideen hat, sondern Befehle braucht“, so die Professorin.

Die Rückmeldungen aus den Kitas zeigen, wie stark das Thema die Kinder beschäftigt. „Die Kinder können Neugierde für diese neue Technologie entwickeln und Berührungsängste verlieren“, lobt Silke Mai das maßgeschneiderte Angebot der HAW Kiel. „Je mehr Kinder wissen, desto eher sind sie in der Lage, Technik kritisch zu hinterfragen.“ Die Leiterin der städtischen Kita Kreisauer Ring in Kiel-Wellsee hat nach dem Roboterbesuch einen eigenen „Tiny“ angeschafft. Zukünftig können auch weitere städtische Kitas sowie Kitas anderer Trägerschaften in Kiel und der KielRegion den Roboter aus Wellsee ausleihen. „Die Materialien sollen langfristig zur Ausleihe zur Verfügung stehen“ unterstreicht Jana Kärcher, Projektleiterin von Science Comes to Town. „Mithilfe dieser neuen EU-Initiative möchten wir Wissenschaft zugänglich und verständlich machen. Was man selbst ausprobiert, kann man viel besser begreifen.“

 

Hintergrund:

Die KielRegion und die Landeshauptstadt Kiel fördern „Sozialrobotik in der Kita“ durch das EU-Projekt Science Comes to Town. Städte und Regionen Kiel, Brest und Split sind im Jahr 2026 Zentren der europäischen Wissenschaft und möchten das Vertrauen in Wissenschaft stärken. Dafür schafft das Projekt neue Gelegenheiten, Forschung kennenzulernen, Fragen zu stellen und mit Wissenschaft in Kontakt zu kommen. Im Mittelpunkt steht ein offener Austausch darüber, wie wissenschaftliche Erkenntnisse und neue Technologien unser Zusammenleben verändern und wie die Gesellschaft diese Entwicklung mitgestalten kann.

Science Comes to Town wird gefördert durch die Europäische Union. Die geäußerten Ansichten und Meinungen liegen ausschließlich in der Verantwortung der Autor*innen und spiegeln nicht notwendigerweise die der Europäischen Union oder der European Research Executive Agency wider. Weder die Europäische Union noch die Bewilligungsbehörde können für diese verantwortlich gemacht werden.

 

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