Studierende der HAW Kiel erstellen Online-Tool zur Wirtschaftlichkeitsberechnung von Batteriegroßspeichern
Wie hart es sein kann, den umweltfreundlich gewonnenen grünen Windstrom aus Schleswig-Holstein in die Verbrauchszentren im Süden Deutschlands zu bekommen, musste jüngst auch Bundeskanzler Merz hautnah selber erfahren: Der symbolische Spatenstich für den Bau des neuen gigantischen Stromverteilerknotens „HeideHub“ musste wegen zu hartem, weil gefrorenem Boden ausfallen. Ist das ein ungünstiges Omen? Gibt es vielleicht Alternativen, mit denen die Vollendung der Energiewende nicht so hart wird? Ja, meinen Expert*innen der HAW Kiel.
Angehende Wirtschaftsingenieur*innen haben sich gefragt, ob nicht auch groß angelegte Batteriespeicher in der Lage sind, den grünen Strom bei Starkwind aufzunehmen und bei Flaute zurück ins Netz zu speisen. Damit würden existierende Stromnetze entlastet, und der Neubau großer Umspannwerke und Leitungen wäre nicht so dringend. Doch die Antwort auf die Frage, wann sich ein Batteriegroßspeicher technisch und auch wirtschaftlich lohnt, ist nicht so einfach zu beantworten. Viele verschiedene Faktoren fließen in die sogenannte Wirtschaftlichkeitsrechnung ein, wie z.B. die Speichergröße, die einmaligen Anschaffungskosten, die laufenden täglichen Betriebskosten, aber auch technisch komplexere Details wie die Zyklenzahl, bei der ein Batteriespeicher seine Leistungsfähigkeit über die Zeit verliert. Und wie ist gerade jetzt im Moment der Strompreis an der Börse? Lohnt sich eher der Einkauf von Strom, also das Laden der Batterien, oder ist es langfristig ertragreicher, Strom an der Börse zu verkaufen, also die Batterien zu entladen?

Überschau- und berechenbar wird so eine große Problemstellung erst durch den Einsatz eines Online-Tools, einer interaktiven Webseite, die unter Berücksichtigung aller bekannten Daten und den aktuellen Börsenpreisen alle möglichen Varianten von Akkugröße, Leistung, Kosten transparent durchrechnet. Vier Studierende machten sich im Rahmen ihrer Interdisziplinären Projektarbeit im 5. Semester ans Werk und pressten die trockenen Formeln in eine leicht verständliche und intuitiv zu verwendende Web-Applikation, die unter https://www.oellypower.de/ allen Interessierten kostenlos zur Verfügung steht. Youssra Ait-Bourhim, Leyani Cruz Mejias, Öznur Sarioglu und Lennard Schlüter standen dabei im engen Austausch mit FachexpertInnen der ARGE Netz, einem Branchendachverband Erneuerbarer Energien in Deutschland. Die ARGE Netz projektiert, baut und betreibt bereits eigene Großspeicheranlagen und konnte wichtigen Input für die Arbeit der angehenden IngenieurInnen liefern. „Das muss aber mindestens eine EINS werden“, forderte Fachingenieur Robert Petri von der ARGE Netz für die Benotung der Studienleistung. Er selbst entwickelt Berechnungstool für Batteriespeichersysteme und wendet diese auch täglich an.
Auch wenn die vier Studierenden noch kein völlig ausgereiftes Produkt entwickelt hätten, so ist doch das Ergebnis ihrer Arbeit stark beeindruckend. Und vielleicht beeindruckt dieses transparente Berechnungstool auch Politiker wie Merz und Co… Denn neben dem notwendigen Netzausbau sind es genau solche Batteriespeicherprojekte, die im Zusammenspiel die Energiewende hin zu 100 Prozent erneuerbar ermöglichen könnten, wenn sie denn wirtschaftlich sind…
