Blick auf eine mit Stichworten beschriebene Metaplanwand© C. Metzger

Miteinander statt nebeneinander: Die Rolle der Hochschulen in einer demokratischen Gesellschaft

von Prof. Dr. Ruth Boerckel | Dr. Christiane Metzger

Demokratie ist der Themenschwerpunkt der Interdisziplinären Wochen im Sommersemester 2026, zu dem diverse Veranstaltungen angeboten wurden, darunter der Workshop „Miteinander statt nebeneinander: Zur Rolle der Hochschulen in einer demokratischen Gesellschaft“. Er bot Studierenden aller Fachrichtungen die Gelegenheit, sich über ihre Ansichten zur Funktion von Hochschulen in einer Demokratie auszutauschen. Sowohl in Gruppen als auch im Plenum wurde viel diskutiert, etwa die Frage, was im Studium und beim Lernen als demokratisch empfunden wird, was aber auch als undemokratisch, inwiefern die Zeit an der Hochschule auf die verschiedenen Rollen vorbereitet, die wir im Leben einnehmen, etwa im Berufsleben, als Eltern oder als ehrenamtlich engagierte Person, oder wie Entscheidungen z.B. über Prüfungsordnungen an einer Hochschule zustande kommen.

Verantwortlich Handeln

Auch aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema Demokratiebildung an Hochschulen wurden von einer der drei Workshopleiterinnen, PD Dr. Britta Behm vom Institut für Hochschulforschung Halle-Wittenberg, vorgestellt. Eine Einordnung rechtlicher Rahmenbedingungen beispielsweise zu den im Hochschulgesetz formulierten Zielen eines Studiums nahmen die anderen beiden Lehrenden vor, Prof. Dr. Ruth Boerckel, Vizepräsidentin für Studium und Lehre der HAW Kiel, und Dr. Christiane Metzger, Leiterin des Zentrums für Lernen und Lehrentwicklung der Hochschule. Die Rechtslage gibt nicht nur vor, dass Studierende auf ein berufliches Tätigkeitsfeld vorbereitet werden und dass die dafür erforderlichen fachlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Methoden erlernt werden. Auch die Befähigung zu verantwortlichem Handeln in einem freiheitlichen, demokratischen und sozialen Rechtsstaat ist Ziel eines Hochschulstudiums.

Im Workshop wurde phasenweise auch sehr kontrovers diskutiert: In welchem Verhältnis steht die Entscheidungsfreiheit von Einzelpersonen zu demokratisch gefällten Mehrheitsentscheidungen? Wie werden Menschen in Entscheidungspositionen wie z.B. Politikerinnen und Politiker von uns gesehen? Wie kommen sie in diese Positionen? Was sind Erwartungen der Gesellschaft und wie findet Meinungsbildung statt? Verschiedene Formate boten den Raum, diese und andere Fragestellungen zu diskutieren, die eigenen Argumente zu schärfen und zu überprüfen.

Diskussion als Bereicherung

Die Studierenden identifizierten u.a. die Fähigkeit zum kritischen Denken, verschiedene Perspektiven einzunehmen, Informationsquellen richtig einordnen und komplexe Probleme und Fragestellungen lösungsorientiert bearbeiten zu können sowie die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung als zentrale Kompetenzen für dieses Handeln. Es wurde festgestellt, dass man im Studium zwar viele Fachkompetenzen erwirbt und auch den Umgang mit Herausforderungen, Problemlösungsfindung und Zusammenarbeit mit anderen lernt, dass aber auch viele Facetten fehlen -  etwa Wissen über Heterogenität in Teamstrukturen, kommunikative Prozesse und deren Moderation oder Möglichkeiten des Umgangs mit beruflichen Situationen, in denen demokratische Werte infrage gestellt werden.

Die Evaluation des Workshops zeigt, dass die Studierenden diese Diskussionen als Bereicherung empfanden und neue Facetten des Themas kennengelernt haben. Viele nahmen auch Informationen über Hochschulen als demokratisch verfasste Organisationen mit: über Gremienarbeit, Beteiligungsprozesse und Entscheidungswege. Vorschläge zum Ausbau des Workshops auf ein längeres Format regen dazu an, die Veranstaltung in den nächsten IDW erneut anzubieten – Diskussionsbedarf gibt es definitiv!

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