Catharina Jäcke blickt lächelnd in die Kamera© J. Reimers
Neben Studium und Teilzeitjob unterrichtet die 33-jährige Catharina Jäcke Yoga.

Mit dem StartUp Office von der Idee zum konkreten Plan

von Johna Marie Reimers

Catharina Jäcke steht barfuß auf ihrer Yogamatte. Langsam rollt sie sich aus der halben Vorbeuge in die Haltung des herabschauenden Hundes. Die Fußballen stehen fest auf dem Boden. Im Raum ist es still. Mit sanfter Stimme leitet Jäcke die nächste Übung an – ihre Schüler*innen machen es ihr nach. Das hinter dieser Gelassenheit ein voller Alltag zwischen Studium, Job und Selbstständigkeit steckt, ist ihr in diesem Moment nicht anzusehen.

Die 33-Jährige unterrichtet Yoga nebenbei. Hauptsächlich studiert Jäcke an der HAW Kiel im Master Leitung und Innovation in Sozialer Arbeit und Kindheitspädagogik und arbeitet zusätzlich 25 Stunden pro Woche bei der Stadt Kiel im Bereich Diversität. „Dort entwickeln wir Strategien, um die Vielfalt in internen wie externen Projekten zu fördern und nachhaltig zu verankern“, erklärt sie. Nach Kiel kam die gebürtige Mindenerin ursprünglich für ein Lehramtsstudium. Einige Semester Biologie und Geschichte später folgte jedoch ein Richtungswechsel: Sie begann eine Pflegeausbildung. Gesundheit und Schule – in beiden erkannte sie Strukturen, die sie verändern wollte. Den Schlüssel dafür fand sie an der HAW Kiel. „Die Inhalte des Bachelors Soziale Arbeit haben mich sofort gepackt“, erinnert sie sich. Kommunikation, Organisation, Veränderungsprozesse, genau dort wollte sie ansetzen. Der Master ist für sie deshalb kein nächster Schritt auf der Karriereleiter, sondern eine bewusste Vertiefung: Strukturen verstehen, um sie verändern zu können.

Sportlich hat sie vieles ausprobiert: Pilates, Bouldern und schließlich Yoga. „Eigentlich sollte Yoga nur eine Übergangssport ein“, sagt sie und lacht. Vor etwa fünf Jahren musste sie am Fuß operiert werden, direkt wieder zu bouldern wäre zu riskant gewesen. Also suchte sie sich einen ruhigeren Ausgleich und landete auf der Yogamatte. „Ich bin dann drei- bis viermal pro Woche ins Studio gegangen und irgendwie hängen geblieben“, erinnert sie sich. Aus dem pragmatischen Ersatz wurde schnell mehr als nur Bewegung. „Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es mir nach einer Yogastunde nicht nur körperlich, sondern auch mental besser geht.“ Gerade in stressigen Phasen zwischen Job und Studium sei Yoga für sie ein Anker. „Es gibt mir eine ganz bewusste Körperwahrnehmung und dieses ruhige, friedliche Gefühl, das im Alltag sonst oft fehlt.“

Jäcke führt eine Balance Übung durch.©J. Reimers
Auf der Matte geht es für sie nicht um Leistung, sondern darum, den eigenen Körper neu wahrzunehmen.

Je mehr Yoga Teil ihres Alltags wurde, desto stärker wuchs der Wunsch, tiefer einzutauchen. Nicht nur mitzumachen, sondern zu verstehen, was hinter den Bewegungen, der Atmung und der Ruhe steckt. Also begann sie im vergangenen Jahr die Ausbildung zur Yogalehrerin. Fünf Monate lang verbrachte sie, neben Studium und Teilzeitjob, die Wochenenden auf der Matte. „Hinzu kam eine Intensivwoche, wo wir täglich untericht hatten. Glücklicherweise waren Semesterferien und ich konnte meine Urlaubstage nutzen“, erzählt sie. Neben Körperhaltungen wie Hüftöffner, Rückbeugen und Balancehübungen lernte Jäcke vor allem die Philosophie hinter Yoga kennen. Den Abschluss bildete eine praktische Prüfung. „Wir mussten als Gruppe eine Stunde planen und durchführen.“ Danach war sie offiziell Yogalehrerin. Die Zeit sei intensiv gewesen: „Ich habe mich jedes Mal auf den Unterricht gefreut, aber neben Arbeit und Studium blieb kaum Raum für anderes.“

Die erste eigene Stunde ließ nicht lange auf sich warten. Schon zwei Wochen nach der Ausbildung stand Jäcke als Trainerin vorne. „Ich war total aufgeregt“, erinnert sie sich. „Die ganze Stunde konnte ich mich nicht richtig fallen lassen.“ Das Feedback der Teilnehmenden sei jedoch positiv gewesen und inzwischen empfindet sie das Unterrichten genauso entspannend wie die eigene Praxis. Die Vorbereitung dauert meist etwa 20 Minuten. „Ich überlege mir Bewegungsabfolgen und zeichne sie als Strichmännchen auf Karteikarten“, erklärt sie. Die Sequenzen probiert sie anschließend selbst aus, auch wenn das nicht immer ungestört klappt. „Meine beiden Katzen finden Yoga oft genauso spannend wie ich“, sagt sie lachend. Regelmäßig unterrichtet sie inzwischen im Studio eine Vinyasa-Stunde – ein dynamischer Yogastil, der fließende Bewegungen mit bewusster Atmung verbindet.

Bevor sich Jäcke als Yogalehrerin selbstständig machen konnte, musste sie sich jedoch erst einmal durch das Thema Bürokratie kämpfen. „Ich hatte totalen Respekt davor“, sagt sie. „Ich kannte niemanden in meinem Umfeld, der selbstständig ist – für mich war das alles Neuland.“ Beim Markt der Möglichkeiten stieß sie zufällig auf das StartUp Office der HAW Kiel und ist kurz darauf zu einem Beratungsgespräch gegangen. „Da habe ich meine Idee einfach erzählt und wir haben sie gemeinsam weitergedacht“, erinnert sie sich. Aus einem vagen Plan wurde Schritt für Schritt ein konkretes Vorhaben. Besonders hilfreich war für sie die Unterstützung bei den formalen Schritten. „Die Anmeldung zur Selbstständigkeit hätte ich alleine wahrscheinlich ewig vor mir hergeschoben“, gesteht sie.  Am Ende ging es nicht nur um Formulare, sondern auch um Perspektiven. „Wir haben darüber gesprochen, wie sich das Ganze entwickeln könnte, ob ich irgendwann Kurse oder sogar Workshops anbieten will“, erzählt Jäcke. Für sie war das nicht nur praktische Hilfe, sondern gab ihr auch Selbstvertrauen: Aus einer Idee wurde ein konkreter Plan.

Wie genau ihr Weg weitergeht, lässt Jäcke offen. „Erstmal möchte ich meine Masterarbeit beenden“, sagt sie. Danach will sie ihre Stunden bei der Stadt Kiel aufstocken und das Wissen aus dem Studium stärker in die Praxis bringen. Denn im Master beschäftigt sie sich vor allem mit Veränderungsprozessen, und genau diese Perspektive will sie künftig noch gezielter anwenden, auch jenseits ihres aktuellen Jobs. „Ich kann mir gut vorstellen, mein Wissen zu Veränderungsprozessen irgendwann auch in Yoga-Workshops einzubringen“, überlegt sie laut. Noch ist das Zukunftsmusik. Klar ist aber: Sie denkt Veränderung nicht nur als Theorie – sondern als etwas, das sich praktisch anwenden lässt.

 

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