Luke Harms blickt auf seinen Laptop.© J. Reimers
Der KI-ChatBot LLM Prof. ist für den Einsatz in der Hochschullehre konzipiert.

Lernbuddy für die Hosentasche

von Johna Marie Reimers

Ein Sparringspartner, der Lehrinhalte kennt, Fragen nachvollziehbar beantwortet und passende Übungen erstellt – LLM Prof. soll Studierende genau dabei unterstützen. Die Abkürzung im Namen verweist auf das der Software zu Grunde liegende große Sprachmodell (Large Language Model – LLM). Entwickelt wurde das System von Prof. Dr. Florian Schatz vom Fachbereich Medien und seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Luke Kahms. Die Idee entstand Ende 2022, als Sprachmodelle wie ChatGPT ihren Durchbruch erlebten. Inzwischen gehören LLMs längst zum Alltag der Studierenden. „Doch ihre Antworten sind kaum nachvollziehbar, teilweise falsch und auch der Umgang mit sensiblen Daten wirft Fragen auf“, benennt Schatz die Defizite von Claude, Gemini, & Co.
 

Luke Hansen blickt freundlich in die Kamera.©J. Reimers
Luke Kahms hat vor kurzem seinen Bachelor in Multimedia Production absolviert.

Mehr als eine Lösungsmaschine

Genau hier setzt LLM Prof. an: „Unser Sprachmodell ist ein Lernbuddy und keine einfache Lösungsmaschine“, betont der 23-jährige Kahms. Anders als andere Systeme greift LLM Prof. nicht auf mitunter fragwürdige Internetquellen zurück. Stattdessen arbeitet das Sprachmodell mit Lehrmaterialien der jeweiligen Veranstaltungen. Es verknüpft jede Antwort mit den passenden Quellen. So sehen Studierende jederzeit, auf welchen Materialien die Antworten basieren. Das Material selbst stammt direkt von den Dozierenden, was die Ergebnisse verlässlich macht.

LLM Prof. zeigt außerdem den Weg zur Antwort. Schritt für Schritt legt es offen, welche Überlegungen es angestellt hat. „Dadurch können Studierende die Antwort nicht nur besser verstehen, sondern lernen auch bessere Fragen zu stellen“, erklärt Kahms. Um die Antworten auch zu verinnerlichen, erstellt LLM Prof Multiple-Choice-Quizze. Das Besondere: „Falsche Antworten werden nicht nur gekennzeichnet, sondern genau erläutert und verständlich berichtigt“, sagt der Entwickler.

 

Ein Videobild, das die Funktionen von LLM Prof. zeigt.©

 

Datenschutz als zentrale Rolle

Datensicherheit spielt für Kahms und Schatz eine zentrale Rolle. Deshalb setzt LLM Prof. an zwei Stellen an: bei der Verarbeitung und der Speicherung von Daten. Bevor eine Nachricht an die KI weitergeleitet wird, prüft ein Privacy Filter den Inhalt. Enthält sie sensible Informationen wie den Wohnort, die Matrikelnummer oder das Geburtsdatum, werden diese bereits im Chatfenster verpixelt. „Durch den visuellen Reiz wollen wir für einen bewussten Umgang mit Künstlicher Intelligenz sensibilisieren“, erklärt Kahms. Die personenbezogenen Daten werden dabei nicht gespeichert. Auch darüber hinaus verfolgt das Entwicklerteam einen konsequenten Datenschutzansatz: Sämtliche Daten bleiben auf deutschen Servern, das Sprachmodell läuft auf einem Hochleistungsrechner direkt an der HAW Kiel und Lehrende haben keinen Zugriff auf die Chats der Studierenden.
 

Kontinuierliche Entwicklung

Für Kahms ist klar: „Wir wollen mit LLM Prof. nicht die Vorlesung ersetzen, sondern eine Alternative zum Einsatz konventioneller KI-Anwendungen im Hochschulalltag bieten.“ Gleichzeitig treiben er und Schatz die Entwicklung des Systems kontinuierlich voran. Künftig sollen Studierende beispielsweise Dateien, Bilder oder Programmcode hochladen und gemeinsam mit LLM Prof. bearbeiten können. Auch weitere Lernwerkzeuge sind bereits in Planung. Während das System derzeit überwiegend in Lehrveranstaltungen des Fachbereichs Medien eingesetzt wird, soll es Schritt für Schritt auf weitere Module und Fachbereiche der HAW Kiel ausgeweitet werden.

„Langfristig wollen wir LLM Prof. auch anderen Hochschulen zur Verfügung stellen“, sagt Prof. Dr. Florian Schatz. Das Projekt ist Teil des Digitalisierungsprogramms 4.0 des Landes Schleswig-Holstein und soll dazu beitragen, offene und datenschutzkonforme KI-Lösungen für die Hochschullehre weiterzuentwickeln. Die Förderung läuft bis Ende des Jahres 2026 und beträgt 197.603,81 Euro.

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