Wie Kinder in offenen Materialarrangements eigene Ideen entwickeln, gestalterische Entscheidungen treffen und sich forschend mit ihrer Umwelt auseinandersetzen – das steht nicht nur im Mittelpunkt des Bildungsprojekts MAKE – Materialwelten im Maker Space, sondern war auch Thema der Kinder-Uni, die innerhalb des Ferienprogramms „Kinder-Stadt Laatzen“ in Hannover angeboten wurde.
Das Projekt MAKE ist ein von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördertes, interdisziplinäres Bildungsprojekt der HAW Kiel und der HAWK Hildesheim. Es orientiert sich an Ansätzen der Maker Education: Lernen wird als aktiver, materialgebundener und ko-konstruktiver Prozess verstanden. Zur Verfügung stehende Materialien wie Ton, Draht, Naturmaterialien, Schwämme, Farben und andere Dinge werden nicht für festgelegte Produkte bereitgestellt, sondern als Materialbuffets arrangiert. So werden den Kindern Spielräume zum Erkunden, Konstruieren, Verwerfen und Weiterentwickeln eigener Lösungen eröffnet.
Bei der Kinder-Uni konnten die Grundschulkinder an drei Fakultäten aktiv werden: Soziale Arbeit und Gesundheit, Gestaltung sowie Bauen und Erhalten. Studierendenausweise, Fakultätsstempel und ein Kinder-Uni-Diplom machten den Hochschulcharakter spielerisch erfahrbar. Wer mindestens zwei Fakultäten besucht hatte, erhielt ein Diplom.

Eine Besonderheit war die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Studierenden der Kindheitspädagogik und der Gestaltung: Die Studierenden der Kindheitspädagogik brachten ihre Kenntnisse zu kindlichen Bildungsprozessen, Beteiligung und pädagogischer Interaktion ein. Sie begleiteten die Kinder aufmerksam, griffen deren Fragen und Ideen auf und unterstützten, ohne Gestaltungswege vorzugeben. Die Studierende der Gestaltung konzentrierten sich auf Materialität, Form, Farbe und Präsentation. Sie entwickelten ästhetisch anregende Arrangements und eröffneten Zugänge zu unterschiedlichen gestalterischen Verfahren. In der Zusammenarbeit beider Fachrichtungen wurden pädagogische und gestalterische Perspektiven aufeinander bezogen und gemeinsam weiterentwickelt. Damit wurde ein zentraler Gedanke von MAKE erfahrbar: Gestaltung beginnt nicht zwangsläufig mit einer fertigen Idee, sondern entwickelt sich im Dialog mit dem Material, durch Ausprobieren und durch eigene Entscheidungen.
Die Ideen der Kinder entstanden häufig erst im praktischen Tun. Aussagen wie „Keine Ahnung, ich mache einfach.“ verweisen nicht auf fehlende Planung, sondern auf einen explorativen Zugang: Materialeigenschaften werden wahrgenommen, Möglichkeiten erprobt und Entscheidungen entwickeln sich schrittweise. Die Studierenden konnten solche Prozesse unmittelbar beobachten, fachlich deuten und ihr eigenes Handeln reflektieren. Die Kinder-Uni wurde so zugleich zu einem Lernraum für Kinder und zu einem praxisnahen hochschuldidaktischen Erfahrungsraum für die beteiligten Studierenden.
Das Projekt MAKE läuft noch bis zum 31. März 2028.
