Kathrin Knehans lächelt in die Kamera© J. Reimers
Mit 41 Jahren gründet Kathrin Knehans ihr zweites Unternehmen.

Aus der Forschung in die Selbstständigkeit

von Johna Marie Reimers

„Von Frauen, für Frauen“, lautet das Motto von Masterstudentin Kathrin Knehans und ihrer Geschäftspartnerin Dr. Silja Schäfer. Im Juli 2026 ist ihre gemeinsame App online gegangen. Mit konenki.cirlce möchten sie Frauen in den Wechseljahren unterstützen - mit Wissen, Programmen und gemeinsamen Austausch auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse. 

Erste Gründung in der Elternzeit

Für die 41-jährige Knehans ist es nicht die erste Gründung. Nach ihrem Bachelor in Germanistik und Kulturwissenschaft arbeitete sie zunächst im Marketing. „Doch während der Elternzeit meines zweiten Kindes habe ich gemerkt: Mein Job erfüllt mich nicht“, verrät sie. Sie nutzte die Elternzeit und entwickelt eine Mental-Health-App für Angestellte – als Gründerin gewann sie Investor*innen und Mitarbeitende. „Ich konnte frei und kreativ arbeiten – das war total selbstwirksam“, erinnert sie. Doch nach vier Jahren stieg sie aus ihrem Unternehmen – auf der Suche nach etwas Neuem.

Für Knehans stand fest: Sie wollte ihr betriebswirtschaftliches Wissen vertiefen. Ein Onlinestudium oder ein weiterer Bachelor kamen aber nicht infrage. Der Masterstudiengang BWL für Nicht-BWLer an der HAW Kiel erregt ihre Aufmerksamkeit. „‚Das ist ja der Knaller‘ dachte ich. Genau das, was ich brauche“, erinnert sie. Zunächst verstand sie das Studium vor allem als Orientierungshilfe: „Ich wollte erstmal lernen, um zu entscheiden, was ich danach machen möchte.“

Als Forschung zur Geschäftsidee wurde

Etwa ein Jahr nach Studienbeginn traf Knehans beim Spazierengehen auf eine alte Bekannte. Die Allgemein-, Sport- und Ernährungsmedizinerin Dr. Silja Schäfer erzählte Knehans von immer mehr Frauen, die ihre Praxis mit Wechseljahresbeschwerden aufsuchen. „Wollen wir nicht ein Unternehmen für Frauengesundheit gründen?“, fragte sie Knehans. „Der Zeitpunkt war für mich perfekt“, erinnert die Masterstudentin und stimmte zu. Sie stand damals kurz vor ihrem Forschungsprojekt. „Das habe ich natürlich genutzt, um den Markt digitaler Angebote für Frauen in der Menopause zu analysieren“, erzählt sie. Ihre Forschung zeigte: Zwar existierten zahlreiche Apps und Online-Angebote, doch nur wenige basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Vor allem aber fiel ihr eine entscheidende Lücke auf: „Der psychosoziale Aspekt fehlte weitestgehend bei den Apps. Du kannst deine Symptome tracken, meditieren und dir Wissen aneignen – das machst du alles aber in deinem eigenen Kosmos.“ 

Aus Forschung und Geschäftsidee wurde dann ein gemeinsames Projekt. Knehans Erkenntnisse flossen direkt in die Entwicklung von konenki.circle ein. Statt ausschließlich Wissen bereitzustellen, setzt das Unternehmen auf den Austausch der Nutzerinnen. „Die App ist mit einem sozialen Netzwerk vergleichbar“, erklärt die Gründerin Knehans, „Frauen können Fragen stellen, Antworten geben, Erfahrungen und Rezepte teilen.“ Außerdem werden Live-Sprechstunden mit Dr. Silja Schäfer angeboten, es gibt ein digitales Mentoring-Programm und Tools, um die eigenen Beschwerden und Bedürfnisse zu analysieren. „Die Menopause soll nicht mehr als Ende der Fruchtbarkeit verstanden werden“, betont Knehans „Sondern als Jahre der Erneuerung – auf Japanisch nennt sich das konenki.“

Master als Grundstein

Während Dr. Schäfer die medizinischen Inhalte entwickelt, sorgt Knehans dafür, dass daraus eine digitale Plattform wird. „Vom Programmieren hatte ich eigentlich keine Ahnung“, gibt sie zu. Aber mithilfe von Künstlicher Intelligenz programmierte sie die App dennoch selbst. Ein externer Auditor überprüfte die Anwendung vor der Veröffentlichung im Hinblick auf Datenschutz und Cybersicherheit. Doch nicht nur ihre technischen Fähigkeiten hat Knehans weiterentwickelt. Als Geschäftsführerin profitiert sie von ihrem Masterstudium. „In meiner ersten Gründung waren Zahlen immer mein blinder Fleck“, erzählt Knehans. Heute strukturiert sie die Finanzen der Unternehmung und verantwortet die betriebswirtschaftlichen Abläufe. „Das BWL-Studium hat mir eine Sicherheit gegeben – ich weiß jetzt, was ich tue.“

Als Nächstes steht für Knehans ihre Masterarbeit an und auch diese will sie ihrer Unternehmung widmen. „Ich möchte ein Framework bauen, um anderen eine Basis zu geben, ein digitales Business aufzubauen“, verrät sie. Es soll Werkzeuge, Regeln und Code-Bausteine bereitstellen, damit andere Gründer*innen nicht bei Null anfangen müssen. Auch für konenki.circle hat das Gründerduo weitere Pläne: „Wir sind bereits im Austausch mit einem Labor“, erzählt Knehans. Zukünftig wollen sie zertifizierte Test-Kits anbieten, damit Frauen herausfinden können, wie es um ihren Hormon-Haushalt steht. 

Gründen heißt, einfach anzufangen

Für Kathrin Knehans bedeutet Gründen vor allem eines: „Ich kann selbstwirksam Dinge gestalten – das gibt mir Energie.“ Trotz Beruf, Familie und einer ersten Unternehmensgründung entschied sie sich noch einmal für ein Masterstudium – und legte damit den Grundstein für ihr zweites Start-up. Für andere Gründungsinteressierte hat sie einen klaren Rat: „Eure Idee ist nichts wert, solange ihr sie nicht auf die Straße bringt“, sagt sie, „Ihr müsst mit anderen darüber sprechen und euch Unterstützung holen.“ Eine gute Anlaufstelle dafür, ist das Start-up-Office der HAW Kiel. Ihre Geschichte zeigt: Wege zeigen sich oft erst dann, wenn man bereit ist, sie auch zu gehen.

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