Eine Frau© J. Walther
Jasmin „Jazz“ Meziou hat an der HAW Kiel Medienkonzeption studiert.

Vom Gaming zur digitalen Kulturvermittlung

von Jana Walther

Als Jasmin „Jazz“ Meziou ihr Masterstudium in Medienkonzeption begann, hatte sie ein klares Ziel vor Augen: Sie wollte in die Gaming-Branche. Virtual Reality, interaktive Welten und immersive Erlebnisse hatten sie schon im Bachelorstudium der Multimedia Production begeistert. Dass sie heute eine Führungsposition im Bereich digitaler Kulturvermittlung innehat, war damals nicht absehbar – und ist zugleich eng mit ihrem Masterstudium verknüpft.

Die gebürtige Rendsburgerin studierte von 2015 bis 2021 an der HAW Kiel und setzte früh einen inhaltlichen Schwerpunkt auf immersive Medien wie Virtual und Augmented Reality. Während des Bachelorstudiums sammelte sie erste praktische Erfahrungen, entwickelte eigene VR-Anwendungen und arbeitete als studentische Hilfskraft im Mediendom und Computermuseum. Dort baute sie unter anderem eine VR-Station mit auf – ein Projekt, das rückblickend zu einem entscheidenden Baustein ihres beruflichen Werdegangs werden sollte.

Studiengang Medienkonzeption ebnete den Weg

Dennoch verlief ihr Weg zunächst anders als geplant. Nach dem Bachelor bewarb sie sich für einen Game-Design-Master in Hamburg, erhielt jedoch eine Absage und entschied sich anschließend für den Masterstudiengang Medienkonzeption in Kiel. Eine Entscheidung, die sich im Nachhinein als prägend erwies. „In Multimedia Production setzt man Prototypen um – in Medienkonzeption lernt man den Schritt davor: für wen, warum und wie ein Konzept überhaupt entsteht. Beides zusammen ergänzt sich perfekt“, sagt Jasmin rückblickend.

Im Master vertiefte sie insbesondere Themen wie Interaktionsdesign, Zielgruppenanalyse und innovative Methoden der Konzeptentwicklung. Anstelle klassischer Klausuren standen projektorientierte Hausarbeiten im Vordergrund, die es ihr ermöglichten, ihren eigenen Schwerpunkt auf immersive Medien weiter auszubauen. Gerade diese konzeptionelle Herangehensweise bildet heute die Grundlage ihrer beruflichen Tätigkeit. „Ich mache heute im Grunde genau das, was ich studiert habe: Medienkonzeption im Kulturbereich – auch wenn mir damals nicht mal klar war, dass das ein echter Beruf sein kann“, beschreibt sie ihren Werdegang.

Parallel zum Studium blieb Jasmin eng mit der Hochschule verbunden, unter anderem durch ihre Tätigkeit im immersiven Labor und den Austausch mit Lehrenden und Kommiliton*innen. Dieses Netzwerk erwies sich später als besonders wertvoll – nicht nur für ihren Einstieg ins Berufsleben, sondern auch für ihre heutige Rolle in der Nachwuchsförderung.

Berufseinstieg über die Masterarbeit

Der Übergang in die Berufspraxis ergab sich schließlich über ihre Masterarbeit. Während der Corona-Pandemie suchte sie gezielt nach einem Praxisprojekt und erinnerte sich an einen früheren Kontakt, der bei einer Präsentation ihrer VR-Arbeit im Computermuseum entstanden war. Daraus entwickelte sich ein Thesis-Praktikum bei der Firma Dataport in Altenholz im Bereich „Lösungen für Kultur und Wissenschaft“. Für ein Museum konzipierte sie eine Virtual-Reality-Anwendung zur Eiszeit in Schleswig-Holstein – inklusive inhaltlichem Konzept, prototypischer Umsetzung und Betriebskonzept für den Einsatz im Ausstellungsbetrieb. Die positive Resonanz auf das Projekt führte unmittelbar zu einem Berufseinstieg als IT-Beraterin im Kulturbereich.

Seit 2021 begleitet Jasmin Museen und Kultureinrichtungen bei ihrer digitalen Transformation – von der strategischen Beratung über die Konzeption bis hin zur Umsetzung und zum langfristigen Betrieb digitaler Anwendungen. Besonders wichtig ist ihr dabei die adressatengerechte Vermittlung: „Es reicht nicht, sich eine technisch spannende Lösung auszudenken. Entscheidend ist, was für die Zielgruppen wirklich funktioniert und sie anspricht.“

Führungsrolle und Blick in die Zukunft

Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich ihr Aufgabenbereich stetig weiter. Neben Beratungs- und Konzeptionsarbeit übernahm sie zunehmend Verantwortung für Projekte, Kooperationen und die Betreuung studentischer Abschlussarbeiten in Zusammenarbeit mit HAW Kiel. Heute ist sie Gruppenleiterin bei Dataport und führt ein interdisziplinäres Team aus festangestellten Mitarbeitenden sowie Nachwuchskräften. In dieser Rolle verbindet sie technisches Verständnis mit konzeptionellem Denken und kultureller Vermittlung.

Auch der Kontakt zur HAW Kiel besteht weiterhin: Jasmin betreut regelmäßig Studierende in Praxisprojekten und Abschlussarbeiten und rekrutiert Nachwuchskräfte aus medien- und informatiknahen Studiengängen. „Mein Netzwerk aus der Studienzeit ist unglaublich wertvoll“, betont sie.

Für die Zukunft sieht Meziou ihre Aufgabe vor allem darin, digitale Kulturvermittlung weiter voranzubringen und Museen dabei zu unterstützen, neue Zielgruppen zu erreichen. Ihr Anspruch ist es, kulturelle Inhalte so aufzubereiten, dass sie verständlich, interaktiv und zeitgemäß erlebbar werden. „Im Grunde entwickle ich immer noch Spiele, aber mit höherer gesellschaftlicher Relevanz, im kulturellen Kontext und für die Wissensvermittlung“, erklärt sie.

© Fachhochschule Kiel