Der internationale Aktionstag Equal Pay Day macht auf den Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Er markiert symbolisch den Tag, bis zu dem Frauen über das vergangene Jahr hinaus unentgeltlich arbeiten, während Männer seit Jahresbeginn für ihre Arbeit bezahlt werden. In Deutschland fällt er in diesem Jahr auf den 27. Februar. Das bedeutet, dass Frauen in 2025 rechnerisch knapp zwei Monate zusätzlich hätten arbeiten müssen, um den gleichen Durchschnittslohn wie Männer zu erhalten.
Die geschlechtsspezifische Lohnlücke – der sogenannte Gender Pay Gap – bleibt in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr somit unverändert: Pro Stunde verdienen Frauen weiterhin durchschnittlich 16 Prozent weniger als Männer. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts, hatten Frauen mit 22,81 Euro einen um 4,24 Euro geringeren durchschnittlichen Brutto-Stundenverdienst als Männer (27,05 Euro).
Die Gleichstellungsstelle der HAW Kiel betont, dass der unbereinigte Gender Pay Gap von nach wie vor 16 Prozent im Zusammenhang mit der strukturellen Benachteiligung von Frauen zu betrachten ist, die in ungleiche Arbeits-, Einkommens- und Karrierechancen mündet. Aufgrund der Doppelbelastung durch familiäre Sorgearbeit sind es überwiegend Frauen, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen und verstärkt in Teilzeit arbeiten – mit negativen Folgen in Hinblick auf Aufstiegsmöglichkeiten, Einkommen und soziale Absicherung.
Laut letzten Erhebungen des statistischen Bundesamtes gilt eine Teilzeitbeschäftigung bei berufstätigen Müttern mit 75,4 Prozent als die Regel, bei Vätern mit 8,7 Prozent als Ausnahme. Auch wird in Care-Berufen, wie dem sozialen und pflegerischen Bereich, in denen überwiegend Frauen arbeiten, schlechter bezahlt als in klassischen Männerdomänen. Zudem steigen viele Frauen aus MINT-Bereichen kurz nach dem Berufseinstieg wieder aus, da die Unternehmenskultur häufig stark männlich geprägt ist und es an Vorbildern fehlt.
Auch in der Lebensmitte sind es vor allem Frauen, die wesentlich häufiger in Teilzeit arbeiten, um die Betreuung von Kindern und/oder die Pflege alternder Angehöriger leisten zu können. Wer über Jahre hinweg in Teilzeit arbeitet oder lange Erwerbsunterbrechungen hat, dem fehlen nicht nur laufende Einkünfte, sondern auch Rentenansprüche. Hinzu kommt das Ehegattensplitting, das das Fortbestehen der geschlechtsbezogenen Lohnlücke begünstigt. Altersarmut ist nachweislich weiblich – und wirtschaftliche Abhängigkeit bleibt ein Risiko, besonders im Falle von Trennung oder Tod des Partners.
Aber auch, wenn solche strukturellen Unterschiede in den Erwerbsbedingungen von Frauen und Männern herausgerechnet werden, verweist der sogenannte bereinigte Gender Pay Gap auf eine darüber hinaus bestehende Lohnungerechtigkeit. Selbst wenn diese Faktoren herausrechnet werden und der Fokus auf gleichqualifizierten Frauen und Männer liegt, die in der gleichen Branche und gleichen Position gleich viel arbeiten, ergibt sich in Deutschland immer noch eine nicht zu erklärende Lohnlücke von sechs Prozent. Das ist die Feststellung des Vereins Business and Professional Women Germany (BPW), Initiator des alljährlichen Aktionstages für Entgeltgleichheit.
Aber wie wird der Gender Pay Gap eigentlich berechnet und was genau sagt er aus? Welche weiteren Ursachen gibt es für den Gender Pay Gap – und wie hängt er mit anderen Diskriminierungsformen zusammen? All diese Informationen sind wichtig, um das Zustandekommen der geschlechtsspezifischen Lohnlücke zu verstehen und sich für Lohngerechtigkeit einsetzen zu können. Ein vom BPW bereitgestelltes Fact Sheet fasst zentrale Fakten rund um den Gender Pay Gap zusammen und gibt einen Einblick in regionale innerdeutsche als auch europäische Vergleiche der Lohnungleichheit.
Zudem machen eine Vielzahl von Kampagnen am Aktionstag einmal mehr auf die Ursachen und Auswirkungen aufmerksam. In diesem Jahr steht der Aktionstag unter dem Motto ‚equal pay every day‘ und lenkt den Blick darauf, wie sich die geschlechterspezifische Lohnlücke im Laufe des Lebens entwickelt und auswirkt. Denn von der frühzeitigen Prägung durch Geschlechterrollen in Kindheit und Jugend über Ausbildungs- und Berufswahl bis hin zu potentieller Familiengründung und dem erhöhten Risiko weiblicher Armut im Alter zeigt sich entlang des gesamten Lebensverlaufs, wie tief verwurzelte gesellschaftliche, ökonomische und politische Rahmenbedingungen Lohngerechtigkeit systematisch erschweren können. Die weltweite Equal Pay Day Kampagne macht damit sichtbar, an welchen strukturellen Ansatzpunkten Veränderungen ansetzen müssen, um gleiche Bezahlung nachhaltig zu verwirklichen – nicht nur symbolisch an einzelnen Tagen, sondern als selbstverständliche Realität im Alltag.


